Der Todesgang des Armenischen Volkes

  • Freitag, 24. April 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 24. April 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 24. April 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Am 24. April 1915 wurden in Istanbul mehrere Hundert armenische Geistliche und Intellektuelle verhaftet und nach Anatolien deportiert. Es war der Auftakt zu einem Völkermord, der vermutlich mehr als einer Million Menschen das Leben kostete.

Internationale Proteste fruchteten nichts. Der deutsche Theologe und Orientalist Johannes Lepsius etwa blitzte 1915 in seiner Audienz beim Kriegsminister Enver Pascha auf ganzer Linie ab. Es blieb ihm nur, trotz Verbots durch die deutsche Regierung, einen Bericht zu verschicken, dessen zweiter Auflage er den Titel «Der Todesgang des Armenischen Volkes» gab.

Das osmanische Reich zerfiel, und die Jungtürken schlugen sich im Ersten Weltkrieg auf die Seite Deutschlands. Als Verbündete gebraucht, konnten sie ihre Idee vom eigenen Staat selbstbewusst propagieren. Eine ethnisch und religiös homogene Türkei sollte es werden, frei vom «Pestbazillus» der armenischen Christen.

Was das hiess, erzählt die Sendung Kontext anhand des Romans «Buch des Flüsterns» von Varujan Vosganian und in Gesprächen mit Vosganians Übersetzer Ernest Wichner und dem Historiker Hans-Lukas Kieser.

Buchhinweise:
Varujan Vosganian: «Buch des Flüsterns». Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner, Verlag Paul Zsolnay

Jakob Künzler: «Im Lande des Blutes und der Tränen. Erlebnisse in Mesopotamien während des Weltkrieges (1914-1918)». Herausgegeben und eingeleitet von Hans-Lukas Kieser, Chronos Verlag

Beiträge

  • «Die armenische Rasse vernichten»

    Schon im Juli 1915 telegrafierte der deutsche Botschafter Hans von Wangenheim nach Berlin, «dass die türkische Regierung tatsächlich den Zweck» verfolge, «die armenische Rasse im türkischen Reiche zu vernichten». Dies ohne Bedauern übrigens.

    Hans-Lukas Kieser zeigt die Zusammenhänge auf, die zum Genozid an den Armeniern führten.

    Franziska Hirsbrunner

  • «Im Lande des Blutes und der Tränen»

    Der Völkermord an den Armeniern wurde von Zeitzeugen teils verzweifelt dokumentiert. So auch vom Schweizer Jakob Künzler, der in einem Missionsspital in Urfa arbeitete. Unter anderem von Urfa wurden die Menschen in die Wüste getrieben.

    Darüber und über das Schicksal seines Volkes schreibt auch der rumänische Lyriker und ehemalige Spitzenpolitiker Varujan Vosganian. Sein «Buch des Flüsterns» braucht den Vergleich mit Franz Werfels Klassiker «Die vierzig Tage des Musa Dagh» nicht zu scheuen. Ein Gespräch mit dem Übersetzer Ernest Wichner.

    Franziska Hirsbrunner

  • «Alle Tode der Erde»

    Der deutsche Sanitätsoffizier und Pazifist Armin T.

    Wegner hielt den Genozid an den Armeniern fotografisch und literarisch fest: «Von Kurden erschlagen, von Gendarmen beraubt, erschossen, erhängt, vergiftet, erdolcht, erdrosselt, von Seuchen verzehrt, ertränkt, erfroren, verdurstet, verhungert, verfault, von Schakalen angefressen. () Alle Tode der Erde, die Tode aller Jahrhunderte starben sie.» Hans-Lukas Kieser erläutert die Gründe für diese Gewalt und sagt, warum die offizielle Türkei den Genozid bis heute in Frage stellt.

    Franziska Hirsbrunner

Moderation: Ellinor Landmann, Redaktion: Franziska Hirsbrunner