Die Freiheit der Emma Herwegh

  • Mittwoch, 10. Mai 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 10. Mai 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 10. Mai 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Sie war Salondame und Freiheitskämpferin, verkehrte mit Marx und Heine und zog in Männerkleidung in den Kampf. Emma Herwegh, Frau des Dichters Georg Herwegh und Kultfigur weit über ihren Tod hinaus. Zu ihrem 200. Geburtstag erinnert Kontext an die aussergewöhnliche Frau, Ehefrau und Revolutionärin.

Emma Herweghs Thema war die Freiheit. Für sie wollte sie kämpfen. Wenn nötig auch auf dem Schlachtfeld. Als Tochter eines reichen Seiden- und Stoffhändlers wuchs sie in höchst privilegierten Verhältnissen auf. Ihr Elternhaus lag gegenüber dem Berliner Stadtschloss. Ihr Vater ging beim König ein und aus. Sie nicht. Sie engagierte sich schon als Mädchen für polnische Revolutionäre, die unter russischer Knechtschaft litten.

Dann trat Georg Herwegh in ihr Leben. Aus einer leidenschaftlichen Liebe zum revolutionären Dichter wurde eine revolutionäre Mission: zusammen lieben und hassen war die Devise. Sie gipfelte im gemeinsamen (und erfolglosen) Kampf in der 1848er Revolution. Aber wie alle revolutionären Bewegungen hatte auch die des Jahres 1848 einen ganzheitlichen Anspruch: die Freiheit soll auch eine persönliche sein. Und so ging es plötzlich auch in ihrer Ehe um Beziehungskonzepte, die ganz anders waren, als die, die Emma Herwegh ursprünglich verfolgte.

Beiträge

  • Zusammen lieben, zusammen hassen

    Emma Herwegh ist politisch engagiert. Und sie ist eine Frau. Aber politisches Engagement für Frauen ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht vorgesehen. Die Chance bietet sich, als sie den revolutionären Dichterstar Georg Herwegh kennenlernt.

    Sie heiratet ihn und schafft so ihren Einstieg in ein politisches Leben einer demokratischen Revolutionärin. Aber die Ehe war nie Mittel zum Zweck.

    Emma ist eine «Heldin der Liebe» und bleibt ihrem Mann weit über dessen Tod hinaus verbunden. Trotz aller Zerwürfnisse, Niederlagen und Abgründen.

    Michael Luisier

  • Die Freiheit der Emma Herwegh

    Emma Herweghs Leben inspiriert. So auch den deutschen Journalisten und Schriftsteller Dirk Kurbjuweit, der über Emma Herweghs Leben einen Roman geschrieben hat.

    «Die Freiheit der Emma Herwegh» behandelt zwei Arten der Freiheit. Die politische, die die beiden Herweghs im revolutionären Kampf in Südbaden erreichen wollten, und die persönliche. Die war aber sehr viel komplexer und konfliktreicher. Denn Konzepte wie das der freien Liebe waren im 19. Jahrhundert noch nicht vorgesehen. Und passten auch nicht in Emma Herweghs Verständnis einer Ehe.

    Michael Luisier

  • Die Pionierin des Feminismus?

    Emma Herwegh hat getan, was sie wollte. Sie hat ihr Konzept der Liebe umgesetzt und ist in den Kampf und auf die Barrikade gezogen. Aber ist sie deshalb eine Pionierin des Feminismus?

    Die beiden Historikerinnen Barbara Rettenmund und Jeannette Voirol haben sich aus feministischer Sicht mit Emma Herwegh auseinandergesetzt. Geblieben ist eine Hassliebe. Und ein bedeutendes Buch über die historische Emma Herwegh.

    Michael Luisier

Autor/in: Michael Luisier, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Mariel Kreis