Die Jugendunruhen von 1980 in Kunst und Kultur

  • Montag, 1. Juni 2020, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 1. Juni 2020, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 1. Juni 2020, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Im Frühsommer 1980 herrschte Chaos auf Zürichs Strassen. Aber neben den Krawallen wurde der öffentliche Raum auch zur Bühne der Kreativität. Klaudia Schifferle machte Anti-Tussi-Dada-Punk, Stephan Eicher posierte als Noiseboy, Herr und Frau Müller erfanden zur Primetime subversives Guerilla-Theater.

Es war ein Moment plötzlicher Freiheit. Die Kunst- und Musikszene war von einer seltenen Eintracht beseelt, einer unbändigen Energie, die die Ausstellung «Saus & Braus» im Museum Strauhof verdichtete. Die urbane Musik- und Kreativszene schlüpfte aus dem Ei. Ironie stand hoch im Kurs, und nach einer Sinnkrise der Jugendbewegung machte sich die Szene auf, den Hedonismus zu erkunden. Zürich feierte, Zürich tanzte, Zürich tischte raus.

«Kontext» blickt zurück in eine Zeit, in der die Wurzeln der Schweizer Kreativwirtschaft liegen. In der man sich in illegalen Bars traf, die der späteren Liberalisierung des Gastrogewerbes den Boden ebneten. Wir fragen Bice Curiger, Suzanne Zahnd und Michael Lütscher: Was wirkt bis heute nach? Und was ist auf der Strecke geblieben?

Beiträge

  • Jute statt Plastik statt Jute

    Was Kunst ist, und was nicht: Das war in der Schweiz lange in Stein gemeisselt. Und wenn die Kunst ein Tänzchen mit der Jugendkultur hielt, führte das vor 40 Jahren zu heftigen Diskussionen.

    Und 1980 – ausgerechnet im wilden Sommer der Zürcher Jugendunruhen – lud Bice Curiger im Zürcher Strauhof zur Ausstellung «Saus & Braus». Die Ausstellungsmacherin fühlte der sprudelnden Energie der jungen Alternativzene den Puls, lud Punk-Bands ein und allerlei geniale Dilettanten, die bald die Welt erobern sollten.

    Bjørn Schaeffner

  • Der Saft des Lebens

    Den Opernhauskrawall hat sie zwar verpasst.

    Aber als die Musikerin und Autorin Suzanne Zahnd – bekannt auch aus der DRS3-Sendung Sounds! – sich wenig später aus New York zu der 80er-Bewegung aufmachte, ging plötzlich vieles: Filmen, Plattencover kleistern, mit Psychisch Kranken in einer Gross-WG leben. Überhaupt: sich jeden Tag neu erfinden.

    Auch der Journalist Michael Lütscher stürzte sich Anfang der 80er in den kollektiven Rausch: als Szenebeobachter, Plattennerd und Stammgast klandestiner Kellerbars. Bald schon tanzte man in leerstehenden Fabrikgebäuden zum Sound, der machte: Bumm. Bumm. Bumm. Und Zürich mauserte sich dazu langsam zur mediterranen Minimetropole.

    Bjørn Schaeffner

Autor/in: Bjørn Schaeffner, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Raphael Zehnder. Produktion: Sabine Bitter