Früh fördern, fair unterrichten

  • Mittwoch, 3. Oktober 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 3. Oktober 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 3. Oktober 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die Forderung nach Chancengerechtigkeit in der Schule ist beinahe 50 Jahre alt und noch immer nicht eingelöst. Kinder, die aus armen und sozial schwierigen Verhältnissen kommen, schaffen es trotz Intelligenz und Leistung oft nicht, in der Schule erfolgreich zu sein. Wo klemmt's?

Bildungserfolg ist in der Schweiz stark von Herkunft geprägt. Die Bildungsforschung zeigt etwa, dass Mädchen im Kanton Zürich, die in Mathematik und Deutsch die Note 5.5 erreichen, mit sehr unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit in ein Langzeitgymnasium übertreten – je nachdem, aus welcher sozialen Schicht sie kommen: Bei Schülerinnen aus einem privilegierten Milieu beträgt die Wahrscheinlichkeit des Übertritts 70 Prozent, bei solchen aus benachteiligten Verhältnissen lediglich 30 Prozent.

Die pädagogische Wissenschaft wartet mit vielen Vorschlägen auf, wie die Chancengerechtigkeit für die junge Generation verbessert werden könnte.

Beiträge

  • Fair unterrichten

    Bildungserfolg ist in der Schweiz stark von Herkunft geprägt: Kinder, die nicht gut Deutsch können oder aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen, haben das Nachsehen. Lehrpersonen gelingt es nicht immer, Kinder und Jugendliche ihren Fähigkeiten entsprechend vorurteilsfrei zu fördern.

    Die Weiterbildung SCALA, die am «Zentrum für Lernen und Sozialisation» an der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelt worden ist, soll nun dafür sorgen, dass weniger stereotypes Denken den Unterricht bestimmt.

    Sabine Bitter

  • Frühförderung beginnt bei den Eltern

    Andrea Lanfranchi, Professor am Institut für Professionalisierung an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich, kommt nach jahrzehntelanger Forschungstätigkeit zum Schluss, dass Kinder in schwierigen sozialen Verhältnissen bereits ab Geburt gezielt unterstützt werden müssten, wenn sie beim Eintritt in die Primarschule eine Chance auf Bildungserfolg haben sollen.

    Bei einer so früh angesetzten Förderung rückt neuerdings vermehrt die Elternbildung in den Blick.

    Sabine Bitter

  • Das Elternhaus gegen wohlmeinende Vorurteile stärken

    Eltern aus sozial schwächer gestellten Milieus wehren sich seltener gegen unfaire Selektionsentscheide, weil sie beispielsweise die Sprache nicht so gut können oder weil die Entscheide häufig in vermeintlich wohlwollender Absicht gefällt werden.

    Der Basler Verein «Partizipation durch Vielfalt» will Abhilfe schaffen, bietet Nachhilfe an, begleitet Eltern auch mal zu einem Elterngespräch und klärt über das hiesige Bildungssystem auf.

    Anna Jungen

  • Die Berufsbildung als zweite Chance

    Chancenungerechtigkeit setzt sich bei der Berufsbildung fort. Gemäss Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm selektieren viele Betriebe ihre Lehrlinge mit einem «Tunnelblick auf gute Noten».

    Es gibt aber auch Betriebe, die einen anderen Weg gehen. Zu ihnen zählt die SFS Group, ein Metallverarbeitungs-Unternehmen im St. Galler Rheintal. Die SFS setzt auf berufspraktisches Talent. Dabei stellt sie auch Jugendliche ein, die anderswo keine Chance hätten.

    Irène Dietschi

Autor/in: Anna Jungen, Sabine Bitter, Irène Dietschi, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Ellinor Landmann