Hören statt Lesen: Audio-Books boomen

  • Dienstag, 19. März 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 19. März 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 19. März 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die Buchbranche verzeichnet sinkende Umsätze und macht dafür auch «Netflix & Co.» verantwortlich. Gleichzeitig erlebt das Hörbuch eine Renaissance und punktet stark beim jungen Publikum. Was steckt hinter diesem weltweiten Boom ? Und warum profitieren Schweizer Hörbuchverlage so wenig davon?

Das Hörbuch wurde schon mehrfach totgesagt. Initiiert vor allem von kleinen, unabhängigen Labels, sorgten dann die Harry Potter-Bände für eine erste Popularisierung des neuen Mediums. Doch dann schien das Geschäft mit Hör-CDs jahrelang zu stagnieren; etliche Grossverlage, die vorschnell ein eigenes Hörbuchlabel gegründet hatten, krebsten wieder zurück und verzichteten fortan auf Inhouse-Produktionen.

Der technische Fortschritt brachte aber dann die grosse Wende: Dank Smartphones und tablets war man nicht länger auf CD-Players angewiesen, sondern konnte überall auf spannende Geschichten zugreifen. Zudem senkten Downloadplattformen und Streaming-Services massiv die Preise von Hörbüchern.

Luzia Stettler zeigt die Berg- und Talfahrt der Audio-CDs im deutschsprachigen Raum auf, fragt nach Gewinnern und Verlierern in diesem Geschäft und wirft mit Branchenkennern einen Blick in die Zukunft: Sprachgesteuerte Geräte und künstlich hergestellte Stimmen werden die Audio-Welt wohl demnächst erneut revolutionieren.

Beiträge

  • Berg- und Talfahrt der Hör-CD

    Fragt man Leute aus der Hörbuchbranche, welche Inhalte dem neuen Medium beim Start am meisten geholfen haben, sind sich alle einig: Die Vertonung der Harry Potter-Romane durch Rufus Beck und später Hape Kerkelings Lesung seiner eigenen Pilger-Geschichte brachten viele Leute zum Hörbuch.

    Nach Jahren der Stagnation bewirkte die Lancierung der Smart-Phones einen neuen Schub: allein in Deutschland stieg der Hörbuch-Konsum 2018 um 20 % auf 18 Millionen Nutzerinnen und Nutzer.

    Luzia Stettler

  • Industrialisierung der Sprachaufnahme

    Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten holen sich ihre Geschichten auf Downloadplattformen oder bei Streaming-Dienstleistern; die CD als Datenträger gerät zunehmend ins Hintertreffen. Und diese Entwicklung sorgt auch für einen massiven Preiszerfall in der Branche.

    Nur über Masse können die Hörbuch-Verlage die Einbussen auffangen. Unter Kosten-Druck geraten dabei vor allem die kleinen, unabhängigen Tonstudios: «Wir erleben derzeit eine Form der Industrialisierung der Sprachaufnahme».

    Luzia Stettler

  • Künstliche Stimmen als Zukunftsvision?

    Das Smartphone als Abspielgerät ist erst der Anfang einer technischen Revolution in der Hörbuchbranche. Darin sind sich alle einig. Intensiv wird im Moment an der Entwicklung von künstlichen Stimmen getüftelt, die in Zukunft viele Schauspielerinnen und Schauspieler ersetzen werden.

    Und dank sprachgesteuerten Geräten können Nutzerinnen und Nutzer dereinst beliebig das Abspielen von Geschichten steuern und dirigieren. Bei der BBC experimentiert ein Team bereits, wie sich dieser Fortschritt auf die Inhalte auswirkt.

    Luzia Stettler

  • Wo bleibt der Audio-Boom auf dem CH-Markt?

    Auf dem deutschen Hörbuchmarkt haben sich in letzter Zeit etliche unabhängige Labels unter das Dach von Grosskonzernen begeben. Denn in einer Zeit, in der – wegen Download und Streaming – die Preise derart fallen, kann nur noch mit der Masse Geld verdient werden.

    Ist dies der Grund, warum der Audio-Boom den Schweizer Verlagen wenig Segen bringt? Der Basler Merian-Verlag hat sogar seine Hörbuch-Sparte 2018 wieder eingestellt. Verlagsleiter Oliver Bolanz nimmt Stellung.

    Bernard Senn

Autor/in: Luzia Stettler, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Michael Sennhauser