«Jagt sie weg!» – Schwarzenbachs Initiative gegen «Überfremdung»

  • Montag, 11. Mai 2020, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 11. Mai 2020, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 11. Mai 2020, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Am 7. Juni 1970 stimmte die Schweiz über die Initiative des Rechtspopulisten James Schwarzenbach ab, die verlangte, dass die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer stark reduziert wird. Obwohl die Initiative abgelehnt wurde, bestimmte sie in den folgenden Jahrzehnten die Migrationspolitik der Schweiz

Die Geschichte der italienischen Einwanderung in den 1960er Jahren in die Schweiz sei kompliziert und widersprüchlich. Doch es sei gut zu wissen, wie diese Geschichte angefangen hat, sagt der italienische Journalist Concetto Vecchio. Er hat vor kurzem ein Buch über die Schwarzenbach-Aera veröffentlicht, als die Schweiz erstmals über die Begrenzung der Zahl der Ausländerinnen und Ausländer abstimmte.

In «Kontext» erzählt Concetto Vecchio die Geschichte seiner Eltern, die auf der Suche nach Arbeit Sizilien verlassen hatten und in die Schweiz gekommen waren, bei der Abstimmung vor fünfzig Jahren, am 7. Juni 1970, aber nicht wussten, ob sie bleiben dürfen. Obwohl die Initiative abgelehnt wurde, war dem Initiant James Schwarzenbach ein politischer Coup gelungen: Er hatte das Thema Ausländerpolitik erfolgreich auf die politische Agenda gehievt.

Im Gespräch legt der Politologe Damir Skenderovic dar, was aus den rechtspopulistischen Vorstössen aus jener Zeit geworden ist.

Buchhinweis:
Concetto Vecchio: «Jagt sie weg! Die Schwarzenbach-Initiative und die italienische Migration», Orell Füssli

Beiträge

  • Verdrängte Familiengeschichte

    «Können wir bleiben oder müssen wir gehen?» Mit dieser Frage sind Carmelo und Giuseppina Vecchio konfrontiert, als die Schweizer Stimmbürger am 7. Juni 1960 über die Initiative des Rechtspopulisten James Schwarzenbach befinden.

    Die Initiative verlangt, dass die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte im Land begrenzt wird. Ihr Sohn, der italienische Journalist Concetto Vecchio, schildert im Buch «Jagt sie weg!» faktenreich die Migrationsgeschichte der Eltern-Generation vor dem Hintergrund der Schwarzenbach-Aera in der Schweiz.

    Sabine Bitter

  • Die Nachwirkungen

    Die Schweiz sei zur «Avantgarde des Rechtspopulismus» geworden, sagt Damir Skenderovic, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Freiburg i. Ü. In keinem anderen europäischen Land habe die Rechte in der Nachkriegszeit so früh so grossen Einfluss ausgeübt.

    Im Gespräch schlägt er den Bogen von den einwanderungsskeptischen Kreisen der Gewerkschaftsbasis ab den 1950er Jahren bis zur Mehrheitsfähigkeit ähnlicher Anliegen, deren Gegner immer «die Anderen» seien. Das Thema «Einwanderung» steht seit Schwarzenbach ständig auf der Traktandenliste der Schweizer Politik.

    Raphael Zehnder

Autor/in: Sabine Bitter und Raphael Zehnder, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Sabine Bitter; Produktion: Raphael Zehnder