Migrationsgesellschaft Italien?

  • Freitag, 4. Oktober 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 4. Oktober 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 4. Oktober 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Für Schlagzeilen sorgen jene Migrantinnen und Migranten, die in Italien ankommen. Italien hat aber auch immer wieder Phasen der Auswanderung erlebt. Wie prägt das Thema Migration die Gesellschaft?

Lega-Chef und Ex-Innenminister Matteo Salvini hat Migration zu einem dominanten Thema der Politik gemacht - und unverhohlen gegen Flüchtlinge, Migranten und Migrantinnen gewettert. In seiner Zeit als Innenminister hat er die Häfen für Rettungsschiffe geschlossen, die Flüchtlingspolitik massiv verschärft und rechtsradikale Rhetorik normalisiert. Unter der neuen Innenministerin Luciana Lamorgese ändern sich nun die Vorzeichen.

Kontext wirft am Beispiel Riace einen Blick zurück. Das Dorf Riace in Kalabrien hat lange Zeit Geflüchtete offen empfangen. Es galt als Vorbild für Toleranz und die Integration von Migrantinnen und Migranten. Inzwischen liegt dieses Modell in Trümmern: Migranten mussten Riace verlassen und wurden in Flüchtlingsunterkünfte verlegt, die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Bürgermeister Domenico Lucano vor, öffentliche Mittel unterschlagen zu haben.

Kontext rollt die Geschichte von Riace nochmals auf und spricht mit einem Experten über die Frage, wie die Italienerinnen und Italiener das Thema Migration heute sehen?

Beiträge

  • Der Fall Riace

    Das kalabrische Dorf Riace galt als Ort der Hoffnung für ein offenes Miteinander zwischen Geflüchteten und Ansässigen. «Riace, paese dell' accoglienza» – «Riace, Dorf der Gastfreundschaft» verkündete ein blaues Schild am Ortseingang. Inzwischen wurde es abmontiert.

    Der Bürgermeister von Riace ist vor Gericht, Begünstigung illegaler Einwanderung lautet der Vorwurf.

    Was ist in Riace passiert? Welche Hofnungen waren mit dem Experiment Riace verbunden? Und hat das Modellprojekt für die Integration von Flüchtlingen, das in Riace gelebt wurde, heute noch eine Chance?

    Aureliana Sorrento

  • Italien und die Migration – Gespräch mit Christopher Hein

    Beim Thema «Migration» ist die italienische Gesellschaft tief gespalten. Die einen heissen Flüchtende willkommen, andere lehnen sie generell ab und äussern sich offen fremdenfeindlich. Dies stellt der Jurist Christopher Hein fest.

    Er lehrt Einwanderungs- und Asylrecht an der Universität LUISS in Rom und ist Gründer des italienischen Flüchtlingsrates CIR, eines Hilfswerks mit Sitz in Rom.

    Christopher Hein hat sich intensiv mit der Geschichte der Migration in Italien beschäftigt. Im Gespräch zeichnet er die italienische Migrationspolitik der letzten Jahrzehnte nach. Dabei erwähnt er, dass heute mehr Italienerinnen und Italiener aus wirtschaftlichen Gründen auswandern, als Migranten in Italien ankommen.

    Norbert Bischofberger

Autor/in: Aureliana Sorrento, Norbert Bischofberger, Moderation: Norbert Bischofberger, Redaktion: Sabine Bitter; Produktion: Anna Jungen