«Mir geht es ein bisschen zu gut» – Martin Walser wird 90

  • Freitag, 24. März 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 24. März 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 24. März 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Neunzig und kein bisschen ruhiger: Martin Walser, der bedeutendste lebende Schriftsteller der Gegenwart, polarisiert noch immer: Von den einen leidenschaftlich verehrt, wird er von andern heftig angegriffen. Grund genug, den Jahrhundertautor zu besuchen, um sich ein eigenes Bild zu machen.

Martin Walser ist noch immer der fleissigste und meistbeachtete deutsche Schriftsteller, der letzte Verbliebene der grossen deutschen Nachkriegsromanciers, verbunden mit den Namen Uwe Johnson, Günter Grass oder Siegfried Lenz. Martin Walser hat wie kaum ein anderer Autor die intellektuelle Bundesrepublik und auch das wiedervereinigte Deutschland mitgeprägt. Er setzte sich immer wieder aus, wurde mit den schlimmsten Vorwürfen eingedeckt, die der Kulturbetrieb parat hat: Nationalismus, Antisemitismus, Altersgeilheit. Martin Walser hielten Klischees und Kontroversen nicht davon ab, fast jedes Jahr mindestens ein neues Buch zu veröffentlichen. Sein jüngster Roman «Statt etwas oder Der letzte Rank» beginnt mit dem Satz «Mir geht es ein bisschen zu gut», und Walser beweist mit dem Buch, dass er immer radikaler und experimentierfreudiger wird. Grund genug, das Monument Martin Walser kritisch zu würdigen.
Buchhinweise:

- Martin Walser: Ewig aktuell. Aus gegebenem Anlass, Rowohlt Verlag
- Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank, Roman, Rowohlt Verlag
- Susanne Klingenstein: Wege mit Martin Walser: Zauber und Wirklichkeit eines Schriftstellers, weissbooks Verlag.

Beiträge

  • Besuch beim Jahrhundertautor

    Kein deutscher Schriftsteller wird häufiger zitiert, heftiger kritisiert und leidenschaftlicher verehrt. Martin Walser polarisiert und das seit seinen Anfängen in den 1950er Jahren.

    Literaturredaktor Julian Schütt hat Martin Walser in dessen Haus am Bodensee getroffen und blickt mit ihm zusammen weniger zurück als nach vorne. Auf das, was ihn schriftstellerisch noch reizt. Walser beschreibt, wie er sich immer mehr von moralischen, politischen und ästhetischen Abhängigkeiten lösen will und verrät, was er sich von den deutschen Bundeskanzlerwahlen verspricht.

    Julian Schütt

  • Zauber und Wirklichkeit

    2016 veröffentlichte Susanne Klingenstein ein vielbeachtetes Buch «Wege mit Martin Walser: Zauber und Wirklichkeit eines Schriftstellers».

    Was Zauber und was Wirklichkeit ist bei Walser, dem geht Julian Schütt im Gespräch mit Susanne Klingenstein nach, die in Deutschland geboren wurde, an der Harvard Medical School lehrte und regelmässig für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt. Dabei geht es vor allem um das radikale Spätwerk Walsers, auch um seinen Narzissmus und den Antisemitismus-Vorwurf.

    Julian Schütt

  • Besichtigung eines Monuments

    Versucht wird im Gespräch zwischen Bernard Senn und Julian Schütt eine subjektive Einschätzung und Würdigung von Martin Walsers Leben und Werk.

    Welches sind die faszinierendsten Bücher von Walser und welches waren die heftigsten Debatten, die er auslöste? Es soll vor allem auch herausgearbeitet werden, worin Walsers Aktualität besteht und was bleibt. Also kein Nachruf zu Lebzeiten, eher eine Erkundung von Walsers Brauchbarkeit in unserer Zeit.

    Julian Schütt

Autor/in: Julian Schütt, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Noëmi Gradwohl