«Mit zehn weisst du: Der Tod gehört dazu» – Kindheit in der Mafia

  • Montag, 8. Januar 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 8. Januar 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 8. Januar 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die italienische Journalistin Angela Iantosca gibt einen Einblick in die Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen, die in Mafiafamilien aufwachsen und legt dar, wie das Jugendgericht in Reggio Calabria versucht, Mafia-Karrieren der jüngsten Generation zu verhindern.

Italien beschreitet neue Wege, um die Macht von mafiösen Familienclans zu brechen: Richter entziehen Eltern, deren Kinder wegen organisierter Kriminalität vor Gericht kommen, die Obhut und platzieren diese in Pflegefamilien oder betreuten Wohngemeinschaften – weit weg von zu Hause und ausserhalb des mafiösen Umfelds. Dieses Resozialisierungsprogramm wurde vor sechs Jahren von einem Richter in Reggio Calabria initiiert. Kontext fragt nach, was daraus geworden ist und beleuchtet die Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen, die in Mafiafamilien aufwachsen.

Beiträge

  • Wie der Vater so der Sohn

    Die 'Ndrangheta, die kalabrische Mafia, gibt das kriminelle Geschäft von Generation zu Generation weiter, sagt Roberto Di Bella, Präsident des Jugendgerichts von Reggio Calabria.

    Er muss es wissen, denn er hat es heute mit dem Nachwuchs der gleichen, berüchtigten Familien zu tun, die sich bereits vor einem Vierteljahrhundert vor Gericht verantworten mussten.

    Deshalb fing er vor sechs Jahren damit an, mafiösen Familien in besonders schwerwiegenden Fällen die Kinder zu entziehen und diese an anderen Orten zu platzieren.

    Franco Battel

  • «Nicht die Liebe verbindet uns, sondern der Schmerz»

    Die italienische Journalistin und Autorin Angela Iantosca gibt einen Einblick in die Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen in Mafia-Familien.

    Sie hat die Erkenntnisse ihrer mehrjährigen Recherche im Buch «Bambini a metà. I figli della 'ndrangheta» veröffentlicht und legt dar, dass es für Kinder, die in diesem Milieu aufwachsen, fast kein Entrinnen gibt.

    Sabine Bitter

  • Neue Chance fern der Heimat

    Anfänglich waren die Reaktionen harsch: Kritiker sprachen von Kindswegnahmen und «Deportation». Doch heute sei der Widerstand gegen die Fremdplatzierung von Kindern aus 'Ndrangheta-Familien weitgehend verschwunden, sagt der Jugendrichter Roberto di Bella.

    So erhält das Gericht von Reggio Calabria sogar Briefe von Müttern, manchmal auch von Vätern und von Jugendlichen aus Mafia-Familien, die sich für die Fremdplatzierung bedanken. Tatsächlich finden viele dieser Jugendlichen erst fern des kriminellen Milieus zu einem normalen Leben.

    Franco Battel

  • Öffentlichen Raum aufwerten

    Auch wenn das Resozialisierungsprogramm des Gerichts in Reggio Calabria alles in allem positiv beurteilt wird, ist für viele Sozialarbeiter und Jugendämter klar, dass dies nicht reicht.

    Mit welchen Schwierigkeiten etwa Lehrpersonen in den Schulen kämpfen, zeigt Domenica Cacciatore auf, die in einer Hochburg der kalabrischen Mafia, in San Luca, jahrelang versucht hat, die desolaten Verhältnisse zu verbessern.

    Sie kommt zum Schluss, dass das durch die Mafia verwüstete Territorium generell aufgewertet werden müsse, mit Sportplätzen, Bibliotheken, Jugendtreffpunkten und Stadtteil-Aktivitäten.

    Sabine Bitter

Autor/in: Franco Battel, Sabine Bitter, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Sabine Bitter