Nationalhymnen – was soll’s?!

  • Dienstag, 1. August 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 1. August 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 1. August 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Kein Musikgenre entfacht in Kommentarspalten so hitzige Reaktionen wie die Nationalhymne. Kein Musikgenre ist so eng verwoben mit anderen Disziplinen: Politik oder Geschichte. Kontext taucht zum Nationalfeiertag in die verrückte Welt der Nationalhymnen ein und fragt, ob es sie überhaupt noch braucht

Integration, Gleichberechtigung, Vereinigung oder Provokation – das ist nur eine kleine Auswahl von Themen, die in den letzten Jahren mit oder in Nationalhymnen angesprochen oder verhandelt wurden. Auch zweihundert Jahre nach der Entstehung bewegen Nationalhymnen noch immer.

Entstanden sind die meisten von ihnen im Zuge der Gründung von Nationalstaaten im 19. Jahrhundert – entweder um im Kampf anzuspornen oder das Volk zu vereinigen und das Oberhaupt zu preisen.

Noch heute legt sich eine neue Nation auch sofort eine neue Nationalhymne zu, zuletzt der Südsudan 2011. Doch auch diese jüngste Hymne klingt ganz nach der Musik des 19. Jahrhunderts, die Marseillaise und «God save the Queen» sind hier nach wie vor tonangebend wie auch bei der Gründung des Ordnungsprinzips Nationalstaat. Hört man einmal ganz genau auf die Texte, muss man sich zwangsläufig fragen: Ist es nicht höchste Zeit, etwas zu ändern?

Beiträge

  • Die wunderbar verrückte Welt der Nationalhymnen

    Die Welt der Nationalhymnen ist eine verrückte Welt. Nichts ist, wie es scheint: Die US-Hymne ist ursprünglich ein britisches Trinklied. El Salvadors Nationalhymne hat französische Wurzeln, komponiert hat sie aber ein Italiener.

    Der deutschen Hymne liegt ein kroatisches Volkslied zugrunde - ein totales Wirrwarr!

    Aber ganz und gar nicht ungewöhnlich für Nationalhymnen. Denn in Nationalhymnen spiegelt sich ein Teil der Weltgeschichte wider: Die Wege von Melodien in alle Himmelsrichtungen sind oft auch Wege von Emigration und Immigration. Und die Wege der Kolonialisten.

    Mariel Kreis

  • Sinn und Unsinn von Nationalhymnen – die Diskussion

    Die Schweiz braucht eine neue Nationalhymne. Das findet die Schweizerische Gemeinschaftliche Gesellschaft SGG und hat deshalb 2014 einen Wettbewerb lanciert. Der Gewinner wurde gekürt: Werner Widmer.

    Über den Text, der seine Wurzeln in der Präambel der Bundesverfassung hat diskutieren der Musikwissenschaftler Anton Häfeli, der Politologe Nenad Stojanovic und der Geschäftsführer der SGG, Lukas Niederberger.

    Doch über 200 Jahre nach der Entstehung muss man auch ganz generell fragen: Braucht es heute in einer globalisierten Welt überhaupt noch Nationalhymnen?

    Mariel Kreis

Autor/in: Mariel Kreis, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Dagmar Walser