Neues zu 1945: Mythos Trümmerfrau und ein Massensuizid im Osten

  • Montag, 11. Mai 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 11. Mai 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 11. Mai 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Auch siebzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wartet die historische Forschung mit neuen Erkenntnissen auf: Die Trümmerfrauen werden in ein neues Licht gerückt und ein mysteriöser Massenselbstmord in der ostdeutschen Kleinstadt Demmin wird erstmals ausgeleuchtet.

Europa gedenkt in diesen Tagen des Endes des Zweiten Weltkriegs vor siebzig Jahren. Unüberschaubar sind die Publikationen zur Frage, wie es zum Holocaust und zu diesem Krieg hat kommen können.

Einige Länder wie Deutschland und die Schweiz haben sich in den letzten Jahrzehnten bemüht, ihre Geschichte aufzuarbeiten.
Dabei ist es immer wieder zu Neubewertungen bekommen.

«Kontext» stellt zwei solche Neubewertungen vor und zeigt auf, wie die deutsche Trümmerfrau zum Mythos wurde und wie es in einer ostdeutschen Kleinstadt 1945 zu einem mysteriösen Massenselbstmord kam.


Redaktion Sabine Bitter
Moderation Hansjörg Schultz

Beiträge

  • Neubewertung nach 1945: Mythos Trümmerfrau

    Mit einem Tuch auf dem Kopf und einem Hammer in der Hand dieses Bild der sogenannten Trümmerfrauen zeigt Heldinnen des Alltags nach dem Krieg: Deutsche Frauen, die zerbombte Städte von Schutt und Asche befreiten, die freiwillig und tatkräftig Steine klopften und so zum Wiederaufbau beitrugen.

    Die 102-Jährige Erika Pohl erzählt, wie es damals wirklich war, als sie in den Ruinen stand. Und die Historikerin Leonie Treber zeigt erstmals auf, wie die «Trümmerfrau» zu einer ideologisch aufgeladenen Ikone wurde, die an manchem Ort vom Sockel geholt werden müsste.

    Sabine Bitter

  • Neubewertung nach 1945: Die Massenselbstmorde im Osten

    Mit seinem Buch «Kind, versprich mir, dass du dich erschiesst» leuchtet der Historiker Florian Huber ein wenig bekanntes Kapitel des Kriegsendes aus: Scharenweise gingen in Deutschland ganze Familien in den Tod.

    Der Zusammenbruch des NS-Systems, das die Menschen zwölf Jahre lang extreme Gefühlslagen hatte durchleben lassen, liess Männer und Frauen ratlos zurück. Sie standen vor dem Nichts.

    Im Gespräch mit Gesellschaftsredaktor Raphael Zehnder erklärt Florian Huber, warum sich 1945 Tausende selbst töteten und warum dieser Massensuizid über Jahrzehnte weitgehend beschwiegen wurde.

    Raphael Zehnder

Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Sabine Bitter, Raphael Zehnder