Nicht knochentrocken. Von Ossarien, Literatur und Forensik

  • Mittwoch, 6. November 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 6. November 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 6. November 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Knochen sind ein geläufiges Motiv in Literatur und Religion. Und der Forensikerin verraten sie vieles über den Menschen, dessen Gerüst sie bildeten.

Knochen prangen auf Piratenflaggen, Giftflaschen, Türbogen und Kapellen: Sie sind ein Symbol für den Tod, ein Zeichen, das alle verstehen und das uns nah ist, bestehen wir Menschen doch – je nach Zählart - aus 206 bis 212 Knochen. Kein Wunder, dass Knochen etwa in der Religion, in der Literatur und in der Rechtsmedizin eine wichtige Rolle spielen.

«Kontext» besucht das Beinhaus von Steinen SZ, spricht mit dem Germanisten Philipp Theisohn und mit Sandra Lösch vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern. Keine knochentrockene Angelegenheit.

Beiträge

  • Das Spiel mit den Knochen im Beinhaus

    In katholisch geprägten Gemeinden findet man sie noch heute: die Beinhäuser. Sie stehen meist nah bei der Pfarrkirche und verfügen oft über ein Fenster in Form eines Pilzes.

    Drinnen war es üblich, die Knochen entweder aufzuschichten, sie in die Mauer einzusetzen oder gar anzumalen oder zu dekorieren.

    Hinter dieser Praxis stand der Glaube, dass ein jeder seine Knochen beim Jüngsten Gericht mitnehmen sollte. Gut vorbereitet war, wer alle Knochen, möglichst komplett, zusammen hatte. Doch auch den Lebenden sollten die ausgestellten Knochen ein Mahnmal sein, um verantwortungsvoll zu leben und die eigene Sterblichkeit nicht zu vergessen.

    Daniela Huwyler

  • Die Literaturgeschichte steht auf Knochen

    Knochen lassen sich wie Buchstaben lesen, sagt der Germanist Philipp Theisohn. Eva wurde aus Adams Rippe gezogen, im Barock war der Vanitas-Gedanke (memento mori) präsent und man beschäftigte sich mit der eigenen Vergänglichkeit.

    In den Knochen glaubte man eine göttliche Spur zu erkennen. So stellte sich Goethe Schillers Schädel auf den Schreibtisch und liess sich inspirieren. Noch heute taugen die Knochen als Motiv in der Literatur, wie Beispiele aus Lyrik oder Belletristik zeigen.

    Daniela Huwyler

  • Die Knochenleserin

    Ein Mensch verschwindet spurlos, Jahre später tauchen im Freien menschliche Überreste auf.

    In einem Fall wie diesem ist die forensische Anthropologie der Universität Bern gefragt: Im Auftrag der Polizei lesen die Spezialistinnen aus den Knochen, wer diese Person gewesen und was ihr zugestossen sein könnte.

    Leiterin Sandra Lösch erzählt, wie diese Arbeit vonstatten geht – und wie viel sie mit dem Glamour von TV-Serien wie «Bones» gemeinsam hat.

    Irène Dietschi

Autor/in: Irène Dietschi, Daniela Huwyler, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Raphael Zehnder; Produktion: Maya Brändli