Raus aus der Opferrolle, aber wie?

  • Montag, 29. Juli 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 29. Juli 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 29. Juli 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Im Krimi wird sie vergewaltigt, im Gesellschaftsroman verlassen, im Splatterfilm zerstückelt, in der Oper verraten und vernichtet: Die Frau. Warum fasziniert uns die Darstellung von Gewalt gegen Frauen? Und wie gehen feministische Künstlerinnen mit dieser Erzähltradition um?

Sexistische Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig, auch in der Fiktion. Die Darstellung der jungen, schönen Frau als Opfer ist vor allem im Thriller populär, und sie hat eine lange Tradition.
Diese Tradition beeinflusst die realen Geschlechterverhältnisse. Denn sie bildet nicht nur die Ordnung der Geschlechter ab, sie reproduziert sie auch.

Welche Möglichkeiten gibt es für Künstlerinnen und Künstler, konstruktiv und kritisch mit dieser Tradition umzugehen? Kann, muss, darf man die Frau aus der Opferrolle befreien? Und wenn ja, wie soll das gelingen? Muss die literarische Tradition umgeschrieben, neu interpretiert werden? Oder gerade nicht? Und welche Verantwortung hat die Kunst überhaupt in Bezug auf die tatsächlichen Geschlechterbilder?

Beiträge

  • Zu Tode gefeiert: Die Frau in der Oper

    Es gibt eine lange Tradition, schönen Frauen beim Leiden und Sterben zuzusehen und sich daran zu ergötzen. Symptomatisch dafür ist die Oper des 19. Jahrhunderts. Jene Oper, die nach wie vor die Spielpläne vieler Opernhäuser beherrscht.

    Wie geht man als Regisseurin damit um, dass Norma, Lucia, Carmen und Tosca als Opfer gefeiert werden? Wie kann man hysterische, liebeskranke, ohnmächtige Frauen heute inszenieren, ohne ein völlig überholtes Frauenideal zu zelebrieren?

    Ein Gespräch mit der Opernregisseurin Tatjana Gürbaca.

    Gabriela Kägi

  • Wo ist der Täter? Literarische Vexierspiele

    Wer gegen die weibliche Opferrolle anschreibt, hat es mit einem starken Gegner zu tun. Die Erzähltradition ist so zäh, dass es fast unmöglich ist, zu gewinnen.

    Umso spannender, wenn sich Autorinnen mit dieser Erzähltradition anlegen. Wie lustvoll das sein kann, zeigt die amerikanische Schriftstellerin Carmen Maria Machado. Sie seziert mit viel Humor die sexistischen Grundstrukturen verschiedener Genres.

    Der neue Roman von Marlene Streeruwitz hingegen führt vor, wie die Frau nicht nur von der literarischen Tradition, sondern auch von der Politik in die Opferrolle gedrängt wird.

    Martina Süess

  • Nur über ihre Leiche

    In den 90er Jahren flimmerte das Bild der schönen, jungen Leiche Laura Palmers in David Lynchs Serie «Twin Peaks» allwöchentlich über den Bildschirm zahlloser Haushalte.

    Dass schöne Frauen getötet werden, um ein Kunstwerk hervorzubringen, zieht sich als Narrativ von der griechischen Antike bis zu Filmen und Serien auf Netflix. Nicht zufällig ähnelt das von Locken umrahmte Gesicht Laura Palmers derjenigen Medusas.

    Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen über den kulturellen Hintergrund der schönen weiblichen Leiche in Literatur und Film – und mögliche Neuschreibungen.

    Salomé Meier

Autor/in: Martina Süess, Gabriela Kägi, Salomé Meier, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Dagmar Walser