Stefan und Lotte Zweigs südamerikanische Briefe

  • Freitag, 19. Mai 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 19. Mai 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 19. Mai 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Im Juli 1940 brach der weltberühmte Schriftsteller Stefan Zweig mit seiner fast dreissig Jahre jüngeren Frau Lotte aus dem englischen Exil zu einer Vortragsreise nach New York, Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay auf. In Europa fühlte er sich bedroht, in Amerika wollte er nicht bleiben.

Schliesslich liessen sich Stefan und Lotte Zweig in Brasilien nieder. Bis zu ihrem gemeinsamen Suizid am 23. Februar 1942 schrieben sie unzählige Briefe an Lottes Bruder und Schwägerin Hannah und Manfred Altmann. Die Altmanns waren aus Deutschland emigrierte Ärzte. Sie hielten in London und Bath die Stellung.

Die Briefe von Stefan und Lotte Zweig sind ganz privat. Aber sie erzählen, was Exil damals bedeutete, machen Geschichte in Echtzeit begreifbar und geben erstmals überhaupt Lotte Zweig das Wort. Zweigs Sekretärin und zweite Frau war bislang immer Spekulationen ausgesetzt. Nun können wir sie als eine gebildete, lebenskluge und tapfere Frau erfahren.

Bücher zum Thema:

Stefan und Lotte Zweigs südamerikanische Briefe. New York, Argentinien und Brasilien 1940-1942. Herausgegeben von Darién Davis und Oliver Marshall. Aus dem Englischen übersetzt von Karin Hanta. Hentrich&Hentrich, 2017

Stefan Zweig: Ich wünschte, dass ich Ihnen ein wenig fehlte. Briefe an Lotte Zweig 1934-1940. Herausgegeben von Oliver Matuschek. Fischer Klassik, 2013

Oliver Matuschek: Stefan Zweig. Drei Leben. Eine Biographie. Fischer, 2006

Beiträge

  • Warum gerade Brasilien?

    Es gibt in Stefan Zweigs Briefen aus dem südamerikanischen Exil viele Hinweise auf eine Verdüsterung des Befindens. Der fliessend mehrsprachige Zweig tat sich mit dem Portugiesischen schwer, ihm fehlten die Bücher, die Freunde, das kulturelle Leben.

    Andererseits lobte sich Zweig in «Brasilien: Ein Land der Zukunft» (1941) das Exil als Paradies zurecht. Geholfen hat es nichts, wie der Suizid zeigte. Oliver Marshall, Historiker und Mitherausgeber der südamerikanischen Briefe, gibt Einblick in die Editionsarbeit und erläutert Zweigs Brasilien-Bild und seine Haltung zum Exil.

    Franziska Hirsbrunner

  • «Mein Vater und Lotte hätten es gehasst.»

    Sie ist eine zierliche Dame von 88 und mag kein Aufhebens darum machen, dass ihre Tante mit einem weltberühmten Schriftsteller verheiratet war. Eva Alberman zögerte auch lange, Stefan und Lotte Zweigs Briefe auf dem Dachboden ihres Londoner Hauses zur Publikation freizugeben.

    Sie schienen ihr zu privat.

    «Mein Vater und Lotte hätten es gehasst.», sagt sie, die ehemalige Professorin für Epidemiologie, die vielleicht so still ist wie die geliebte Tante Lotte. Für das schreibfaule Mädchen hatte Lotte nur einen Fehler: hartnäckig Briefe einzufordern Eva Alberman erzählt von ihren Erinnerungen.

    Franziska Hirsbrunner

  • «Die schweigsame Frau» spricht!

    Stefan und Lotte Zweigs südamerikanische Briefe 1940-1942 eröffnen erstmals die Möglichkeit, etwas von Lotte Zweig zu lesen. Für einen Zweig-Biografen ist das natürlich eine Sensation.

    Wurde doch Lotte Zweig bislang gerne «Die schweigsame Frau» genannt, nach dem Titel eines Operetten-Librettos ihres Mannes.

    Warum das so war, warum Stefan Zweigs erste Frau Friderike noch Jahre nach dem Tod von Stefan und Lotte Zweig die Deutungshoheit über die beiden hatte, erklärt der Zweig-Forscher und –Biograph Oliver Matuschek.

    Franziska Hirsbrunner

Autor/in: Franziska Hirsbrunner, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Christoph Keller