«Tatort Märchen. Eine juristische und medizinische Analyse»

  • Montag, 7. Dezember 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 7. Dezember 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 7. Dezember 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Märchen strafrechtlich, rechtsmedizinisch und pharmakologisch interpretiert: Schneewittchen überlebt drei Anschläge, zwei davon mit Gift - ein dreifacher Mordversuch. Und Gretel hat die Hexe in Notwehr in den Ofen gestossen, während Schlafmohn Dornröschen in einen hundertjährigen Schlaf versetzt.

Im Märchen wird munter vergiftet, Kinder werden im Wald ausgesetzt, eine vermeintlich tote Prinzessin wird wieder zum Leben erweckt.

Klare oder unklare Fälle für Rechtsmediziner, Juristen und Pharmakologen. Denn wie kann zum Beispiel Schneewittchen von den Toten auferstehen? Wie war wohl der Apfel vergiftet und welches Gift war im Kamm? Und mit welcher Strafe hätte die Stiefmutter heute zu rechnen? Im Märchen ereilte sie der qualvolle Tod, in glühenden Schuhen zu tanzen, bis der Tod sie ereilte. Das wäre dann wiederum ein Fall für den Rechtsmediziner.

Beiträge

  • Wurde die Prinzessin mit Opium vergiftet?

    Dornröschen sticht sich mit einer vergifteten Spindel und fällt in einen Tiefschlaf. Schneewittchen kommt mit einem vergifteten Kamm in Berührung und bricht vermeintlich tot zusammen.

    Gift, das über die Haut aufgenommen wird, hat der Mensch seit je her gekannt. Heute kennt man das von Hormon- oder Nikotinpflastern. Und der Biss in den giftigen Apfel führte zu einer kaum mehr merklichen Atmung. Wie bei Dornröschen könnte hier Schlafmohn, umgangssprachlich Opium, zum Einsatz gekommen sein.

    Ein Gespräch mit dem Apotheker Silvio Ballinari über Gifte und ihre Wirkung.

    Regula Zehnder

  • War das Schneewittchen (rechtsmedizinisch) scheintot?

    Die Zwerge beerdigten das schöne Schneewittchen in einem gläsernen Sarg. So aufgebahrt zeigte es keine Verwesungserscheinungen. Wie funktioniert das aus rechtsmedizinischer Sicht?

    Die roten Apfelbäckchen Schneewittchens könnte man als sogenannte Kirchhofrosen interpretieren: Totenflecken, die bereits entstehen, wenn das Blut sich in die tieferen Körperpartien senkt. Oder ist Schneewittchen vielleicht am Apfelbissen erstickt und das Gift konnte seine Wirkung gar nicht entfalten?

    Die Rechtsmedizinerin Barbara Beier bringt Klarheit in die verworrene Situation.

    Regula Zehnder

  • Märchentaten vor dem Strafgericht

    Dreimal versuchte die Königin Schneewittchen hinter den Bergen bei den sieben Zwergen umzubringen. Mit dem zu eng geschnürten Schnurriemen und dem vergifteten Kamm, ereilten Schneewittchen zwei Anschläge an einem Tag. Beim dritten Mal wollte die Königin sicher gehen und vergiftete einen Apfel.

    Der Richter Peter Urech konstatiert: Dreifacher heimtückischer Mordversuch. Hänsel und Gretel werden im dunklen Wald ausgesetzt. Heute wäre das ein Fall für die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. Welche juristischen Folgen hätte das für die Eltern? Verschuldet sich die Hexe der Freiheitsberaubung?

    Regula Zehnder

Autor/in: Regula Zehnder, Moderation: Ellinor Landmann, Redaktion: Dagmar Walser