ÜberWunden: Wenn Körper von Trauma erzählen

  • Mittwoch, 4. Dezember 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 4. Dezember 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 4. Dezember 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Viele Menschen erleben traumatisierende Gewalt. Viele stehen dem Trauma ohnmächtig gegenüber. Wir porträtieren zwei Frauen, die mit künstlerischen Mitteln eigene und kollektive Traumata zum Thema machen und ihnen etwas entgegensetzen: über das Schreiben bzw. die Performance.

Wir leben in einer Zeit von Körperkult und Schönheitswahn. Ohne dass wir uns dagegen wehren können, lernen wir, dass Körper gelesen werden, dass sie von andern interpretiert und eingeordnet werden: Eine Frau im kurzen Rock ist leicht zu haben; von einem schwarzen Körper geht Gefahr aus - jedenfalls suggerieren das die Zahlen der Verhaftungen in Amerika. Ein dicker Mensch zeugt von Faulheit und Disziplinlosigkeit.

In welchen Körper wir geboren sind, können wir uns nicht aussuchen, aber wir können ihn formen, optimieren, so wird uns gesagt. Aber Körper sind nicht unversehrbar. Narben oder Brandwunden sind sichtbare Verletzungen. Die Haut erzählt eine Geschichte.

Aber dann gibt es auch Verletzungen, die weniger lesbar sind. Um solche Geschichten, die uns Körper erzählen, geht es in diesem «Kontext».

Beiträge

  • Fettsein als Überlebensstrategie

    Sie ist schwarz, eine Frau und stark übergewichtig. In einer auf Oberflächen bedachte Gesellschaft erfährt die amerikanische Autorin Roxane Gay Diskriminierungen am eigenen Leib jeden Tag aufs Neue. Fettleibigkeit gilt als Ausdruck von Schwäche und fehlender Disziplin.

    In ihrem Buch «Hunger» schreibt Gay die Geschichte ihres Körpers. Eine schmerzvolle, brutal ehrliche Geschichte über ihre Vergewaltigung als 12-jähriges Mädchen, die den Beginn ihrer Esssucht markiert. Essen wird ihr Trost und Mittel zur Selbstverletzung, Fettsein zur Überlebensstrategie.

    Salomé Meier

  • «Performing Trauma»: dem Schmerz auf der Bühne begegnen

    Tanzend auf die Bühne treten: Darin sieht Nora Amin ein Mittel des Widerstands und der individuellen Heilung nach traumatischen Erlebnissen.

    Die ägyptische Choreografin, Regisseurin und Autorin beschäftigt sich in ihren Performances mit Gewalt gegen Frauen und arbeitet mit Tänzerinnen und Laien, etwa aus Schweden, dem Sudan, Ägypten und Deutschland.

    Der Körper kreiere dabei ein eigenes Alphabet, das nicht nur ermögliche, Herrschaftsverhältnisse aufzubrechen – sondern auch, das Unsagbare in Bewegung zu übersetzen und den inneren Schmerz durch das Aufführen und Teilen zu überwinden.

    Mirja Gabathuler

Autor/in: Salomé Meier, Mirja Gabathuler, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Sabine Bitter