Von der Plage zur Delikatesse – Insekten essen?

  • Dienstag, 23. Mai 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 23. Mai 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 23. Mai 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer sind seit dem 1. Mai in der Schweiz als Lebensmittel zugelassen. Aber ob sie wirklich auf unseren Tellern landen? Kontext blickt auf die Veränderung von Esskulturen im historischen Überblick und wagt Prognosen für die Zukunft.

Insekten sind zurzeit in aller Munde. Doch: Wie wird das Nahrungsmittel «Mehlwurm» in der Schweiz bereits produziert? Was assen unsere Vorfahren und wann ergänzten sie ihren Speiseplan um Neues? Welche Rolle spielen Heuschrecken in der Bibel und was hat das wiederum mit Insekten als Lebensmittel zu tun?

Esskultur, Nachfrage und Angebot sind eng miteinander verknüpft und sind ausserdem gekoppelt an gesellschaftliche und evolutionsgeschichtliche Veränderungen.

Diese Schnittpunkte in Geschichte und Gegenwart diskutiert Brigitte Häring im Gespräch mit der Zukunftsforscherin Mirjam Hauser vom Markforschungsunternehmen «GIM» und dem Sozialanthropologen Heinzpeter Znoj von der Universität Bern.

Beiträge

  • Von der Insektenzucht auf den Teller

    Im Luzerner Hinterland, genauer in Grossdietwil, züchtet die Firma «Entomos» Insekten zu Futter- und Forschungszwecken. Unter den vielen Krabbeltierchen sind drei Arten, die als Lebensmittel verkauft werden: Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer.

    Sie werden für die Weiterverarbeitung gefriergetrocknet und verkauft.

    Der Schweizer Verein «Insectissimo» will diese Insekten als Proteinlieferant unter die Leute bringen. Mitgründer Silvio Blaser erklärt beim Kochen eines Insektenmenus, warum.

    Die Reportage führt von der Insektenfarm bis in Schweizer Küchen.

    Anna Fierz

  • Eine kleine Geschichte des Essens

    Essen ist nicht nur Energielieferant. Forscher diskutieren derzeit, ob die Nahrung auch die Entwicklung vom Affen zum Menschen beeinflusst habe. Gemäss dieser These wurde das Gehirn unserer Urahnen immer grösser, weil sie das Essen auf immer nahrhaftere Weise zubereiteten.

    Doch neue Speisen veränderten nicht nur den Körper, sondern auch die Kultur: Die europäische Ernährung umgewälzt hat die Kartoffel, die erstmals im 16. Jahrhundert auf unseren Kontinent kam. Bis die tolle Knolle in Form von «Gschwellti» und Rösti voll akzeptiert war, dauerte es Jahrhunderte.

    Amanda Arroyo

  • Heuschrecken als Essen, Plage und Gottes Luftwaffe

    Insekten als Nahrungsmittel – das ist kein neuer Trend, sondern uralt. Im alten Ägypten waren Heuschrecken ebenso alltäglich wie zur Entstehungszeit der Bibel. Im Alten Testament tauchen Heuschrecken als Plage auf, um Ägypten zu bestrafen, und als Nahrungsmittel.

    Viele Rabbiner haben sich darum mit der Frage auseinander gesetzt, ob Heuschrecken koscher sind.

    Auch im Neuen Testament kommen Heuschrecken vor, am prominentesten in der Offenbarung des Johannes. Da nehmen sie gar die Rolle einer göttlichen Luftwaffe ein. Ein religiöser Blick auf das Thema Heuschrecken.

    Raphael Rauch

Autor/in: Anna Fierz, Amanda Arroyo, Raphael Rauch, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Ellinor Landmann