Vom Passagierschiff zum Luxusdampfer

Übers Meer schiffen, neue Länder entdecken und dabei im Luxus schwelgen. Vor über 120 Jahren wagten die Menschen nur davon zu träumen. Damals war eine Schiffsreise alles andere als ein Vergnügen. Die Idee, eine Luxusreise auf dem Wasser anzubieten, entstand vor allem durch eine Notlage.

Der Passagierdampfer «Augusta Victoria» im Jahr 1980. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Augusta Vicotria» im Jahr 1880. Ein Jahr später entstand aus dem gewöhnlichen Passagierschiff ein Luxusdampfer. Wikimedia Commons

Eisige Kälte, raues Meer, wenig Kundschaft. Ende des 19. Jahrhunderts kam es in den Wintermonaten seltener zur Überquerung des Atlantiks. Die Passagierschiffe lagen im Hafen und brachten der Reederei Verluste.

Zeichnung von Albert Ballin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Hamburger Reeder Albert Ballin. Wikimedia Commons

1891 kommt Albert Ballin auf die Idee, die Schiffe profitabler einzusetzen. Er wirbt für eine «Bildungs- und Vergnügungsreise» in wärmeren Gegenden. Schnell sind die rund 240 Plätze ausgebucht. Kurz darauf wird die zweijährige «Augusta Victoria» vom Passagierschiff zum Luxusdampfer umfunktioniert. Der ersten Kreuzfahrt steht also nichts mehr im Wege.

Die Jungfernfahrt der «Augusta Vicotria»

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Die genaue Route

Von Cuxhaven über Southampton, Gibraltar und Genua nach Alexandria. Dann weiter nach Jaffa, Beirut und Konstantinopel. Rückweg über Piräus, Malta, Palermo, Neapel, Lissabon und zurück nach Hamburg.

Im Januar 1881 verlässt das erste Kreuzfahrtschiff ihren Heimathafen in Richtung Orient. Die Gäste sammeln zum ersten Mal Eindrücke der exotischen Mittelmeer-Länder. Vom Hafen Alexandria aus organisiert Ballin sogar eine Tour nach Kairo und zu den Pyramiden. Während der zweimonatigen Reise werden insgesamt 13 Ausflüge organisiert. Die «Augusta Victoria» mit ihren drei mächtigen Schornsteinen erregt in allen Häfen Aufsehen.

Die luxuriöse Seefahrt ist ein rundum gelungener Erfolg. Angetrieben vom Ehrgeiz und dem Erfolg der ersten Reise werden zahlreiche weitere Schiffe gebaut. Somit kann eine grössere Anzahl Luxusreisender bedient werden.

Kaviar und Kleiderordnung an Board

Zu Anfang kann sich eine solche Reise nur ein ausgewählter Kreis vermögender Kunden leisten. Auf den Reisen wird Kaviar, Austern und Champagner serviert. Die Abende enden meist in einem der noblen Salons. An Bord herrscht eine strikte Kleiderordnung. Es gibt einen festen Kleiderkodex für Frauen und Männer. Ein mehrmaliges Umziehen pro Tag wird gefordert. Heute gibt es keine Kleidervorschriften mehr.

Zur schwimmenden Kleinstadt mit über 6000 Passagiere

Die heutigen Schiffe weisen starke Unterschiede zu ihren Vorgängern auf: grössere Kabinen, unterschiedliche Routen und eine grosse Vielfalt an Sport- und Unterhaltungsangeboten wie Wasserparks, Sportcenter, Kino oder Theater.

In den letzten Jahren sind Kreuzfahrten immer beliebter geworden. Dadurch wurde ein regelrechter Boom beim Bau von Kreuzfahrtschiffen der Superlative ausgelöst. Niedrigere Preise und mehr Aktivitäten an Bord der Kreuzfahrtschiffe locken nun auch jüngere Passagiere an. Das derzeit grösste Kreuzfahrtschiff ist die «Allure of the Seas». Sie bietet Platz für bis zu 6300 Passagiere in 2704 Kabinen.