Blindenhund für Wohlstandskinder

Eine Schweizer Musikgruppe schliesst einen Vertrag mit einer grossen Plattenfirma ab und steht kurz vor dem Durchbruch.

Frank Miller: Blindenhund für Wohlstandskinder (Bong)

Aber anstatt dass sie sich ganz nach dem Motto «Volle Kraft voraus!» an die Hitparadenspitze rockt, verliert sich die Band: Die Mitglieder zögern, diskutieren und stehen sich selber im Weg.

Ihr Manager hält in diesem Tagebuch alle Kämpfe und Krämpfe fest: Das Gejammer seiner Schützlinge, ihre Sonderwünsche und was er den ganzen Tag so tut, ohne ein «Danke» dafür zu hören.

Mit diesem Buch blickt man hinter die Kulissen der Musikindustrie und in die Köpfe von Musikern. Der flapsig-lakonische Stil macht die Lektüre absolut unterhaltsam.

Leseprobe, Seite 134:

Dienstag, 28. Oktober 2003:

Trotz idiotischchaotischem Vorgehen des Bandleaders betreffend der Produktion der Weihnachts-CD habe ich ihm letzte Woche nochmals ein faires Angebot gemacht. Als ich keine Antwort darauf erhielt, gab ich zum Ausdruck, dass ich keinen Sinn sehe, mich weiter für dieses Projekt einzusetzen. Heute ruft mich der Bandleader an und fragt, ob ich nächste Woche die CDs beim Presswerk abholen könne. Ich traue meinen Ohren nicht. Jetzt wagt sich dieses Bandleaderli, mich zu fragen, ob ich einen halben Tag plus Porto und Benzin investiere, nur damit er 50 Franken für Portokosten einsparen kann. Und das, obwohl ich mich letzte Woche von der Mitarbeit an dieser CD-Produktion verabschiedet habe. Ich rede Klartext. Er stellt sich taub.

Frank Miller: Blindenhund für Wohlstandskinder
Tagebuch eines Musikmanagers
Bong, ISBN 3-905702-02-9

Autor/in: Tanja Kummer