Buch-Tipp: Treffpunkt Bundesplatz

Stapelweise Politiker-Memoiren und Schriften zur Lage und Zukunft der Nation in den Buchhandlungen ... So könnte man sich den Wahlherbst 2011 vorstellen. Aber weit gefehlt!    Keine Politikbuchschwemme weit und breit.

Sich mit Büchern über  Schweizer Politik zu informieren, ist trotzdem möglich. Drei Sachbüchern sind im Hinblick auf die Wahlen besonders empfehlenswert.

Vincent Golay / Mix&Remix: Schweiz in Sicht

Ein knallrotes Buch mit weissem Schweizerkreuz, aus dem Kreuz guckt eine Comicfigur und erblickt: Schweiz in Sicht! Das vom renommierten Schweizer Cartoonisten Philippe Becquelin alias «Mix &Remix» illustrierte Buch ist ideal für politische Interessierte aber noch nicht ganz Versierte: Es beschreibt Grundsätze und Begriffe der Schweizer Politik sec und einfach. Was macht einen Staat zum Staat, wie funktionieren Föderalismus und die Wahlen? Das ist alles kompakt auf wenigen Seiten beschrieben. Für diejenigen, denen wenige Seiten immer noch zu viel sind, gibt es am Ende des Buches ein Glossar mit Begriffen der politischen Fachsprache wie Legislatur, Postulat oder das schöne alte Wort Tagsatzung: In der alten Eidgenossenschaft (vor 1848) Versammlung, in der jeder Kanton einen Botschafter entsandte, der die Interessen seiner Regierung in Geschäften vertrat, welche die ganze Eidgenossenschaft betrafen.

George G. Szpiro: Die verflixte Mathematik der Demokratie

Dem Titel zum Trotz kann man das Buch ohne Taschenrechner in der Hand lesen. Ein wacher Geist ist aber bei dieser Lektüre von Vorteil. Man trifft in diesem Buch kaum Zahlen an, aber die Geschichte der Demokratie und ihrer Ausbreitung und Auswirkung von den Volksversammlung der alten Griechen bis heute. Die Demokratie gibt uns das Wahlrecht. Wenn wir es nutzen und die Zahlen nach der Wahl feststehen, beginnt in den Kantonen die Rechnerei. Wie verteilt man anhand von Prozentzahlen die Sitze im Nationalrat? George G. Szpiro zeigt in seinem Buch Vor- und Nachteile verschiedener Sitzzuweisungsverfahren auf. In der Schweiz wird für Proporz-Wahlen wie die Nationalratswahl das Hagenbach-Bischoff-Verfahren verwendet.

Leonhard Neidhart: Das frühe Bundesparlament

Der Schweizer Politologe Leonhard Neidhart zeigt die Entwicklung des Bundesparlaments seit der Verabschiedung der Bundesverfassung 1848. Das ist der erste Teil des dicken, informativen Buches. Im zweiten Teil bieten Originalbeiträge aus dem frühen Parlamentsalltage einen Blick hinter die Kulissen. Auch Zeitungsberichte aus dieser Zeit sind erhalten, zum Beispiel derjenige aus der NZZ vom 13. September 1848: Am 12. September 1848 gleich nach 1 verkündetet der Kanonendonner in Zürich die frohe Botschaft, dass der neue Bund angenommen worden ist. Das Herz wogt höher. Die Schweizernation ist endlich zum Wort gekommen, sie hat ihr gebührendes Stimmrecht erhalten; die Nation, bisher nur in den Herzen der Besseren lebend, steht nun da in unbestreitbarer Wirklichkeit, mit ausdehnten Vollmachten ausgerüstet.

Autor/in: Tanja Kummer