Christian de Simoni: Rückseitenwetter

«Wenn ich nur wüsste, was ich wollte - dann würde ich es tun!» Wer diesen Satz nicht selber schon einmal gesagt hat, hat sicher einen Bekannten, der sich auf diese Weise über seine Lebensratlosigkeit beklagt. Sie ist das Thema dieses Romans.

 

Der Ich-Erzähler des charmanten Textes ist der Berner Chris Bissig. Er ist etwa 30 Jahre alt und leidet an der weit verbreiteten "Generationitis actualis", deren Symptome gleichermassen Unterforderung und Übersättigung sind. Mit dem Job als Angestellter in einem Immobilienbüro wird er seinem lebendigen Geist nicht gerecht. Man ist versucht zu sagen, Chris solle den Finger aus dem Allerwertesten und sein Leben in die Hand nehmen. Was aber, wenn man alles haben kann und gar nicht weiss, was man in seinem Leben wahr machen will?

Aufregung im Aussen

Chris reagiert auf seine Orientierungslosigkeit mit für die LeserInnen amüsanter Bissigkeit, aber auch mit aufrüttelndem Zynismus. Seine Energie kanalisiert sich in Wörtern, er denkt und spricht wütend und lebendig, sonst bleibt er lahm. Die Aufregung findet im Aussen statt, in Form von zwei Frauen, die nur auf den ersten Blick unterschiedlich sind: Chris' Freundin Monika, die wegen eines Burn-Outs in einer Klinik ist und Elgin, eine sehr von sich selber eingenommene Frau, die Chris an der langen Leine hält.
Der Berner Autor Christian de Simoni (*1979) formuliert in seinem Debütroman authenisch und klug.

Zum Schluss ein Müsterchen der originellen Stilisierung eines Small Talks auf Seite 113 des Buches:

Kommt rein. Ich bin der.
Freut mich, das ist.
Die Jacke kannst du.
Danke, ja, mich auch.
Das sind. Und. Nimm doch; Bier oder.
Ja, gerne. Danke.

Autor/in: Tanja Kummer