Doris Dörrie: Alles inklusive

«All inclusiv» - da denkt man automatisch an ein tolles Hotel mit grosszügiger Poolanlage und Blick aufs türkisblaue Meer, an ganztägliches Essen und Trinken à discrétion.

«Alles inklusive» ist in diesem Sinne der goldrichtige Titel für den neuen Roman von Doris Dörrie: Da stecken viele schöne Klischees drin, die die Autorin herrlich seziert.

Liebe, der Mangel an Liebe, ein grosses Unglück und flüchtige Zufriedenheiten, genährt von einem Happen Glück: Das ist «alles inklusive» im neuen Roman der Meisterin der tragischkomischen Schreibart- und weise: Doris Dörrie. Wer sie eh schon liebt, wird von diesem Buch, das grösstenteils in Spanien spielt, hell begeistert sein. Sonst dient dieser Roman als passende Einstiegslektüre ins Werk einer Frau, die immer wieder Figuren beschreibt, die das selbe tun wie wir alle: Das Leben leben. So gut wie halt eben möglich.

Eine Affäre mit Folgen  

Die Geschichte: Ingrid ist im Sommer 1976 in Spanien, weil sie die Nase voll hat vom bürgerlichen Deutschland. Sie lebt ein Hippieleben, verkauft Schmuck und schleift Töchterchen Apple von Strand zu Strand. Ihr Name ist nicht das einzige, was Apple ihrer Mutter das Leben lang übel nimmt, sondern auch, dass sie 1976 ein «Gschlaik» mit einem verheirateten Touristen mit Sohn hatte - eine Affäre mit lebenslänglichen Folgen für alle.

Stoische Suche nach dem Glück

Aus wechselnden Perspektiven erfahren wir die Lebensläufe von Ingrid, Apple, Karl, dem Touristen, seinem Sohn Tim, der eine Tina wird und von Susi, Apples bester Freundin. Alle zieht es immer wieder nach Spanien, wo sie stoisch glückliche Tage suchen - während sie ein Haus kaufen, Touristen betrügen, ihr Geld mit der Fusspflege derselben verdienen oder im Altersheim residieren. Der Leser lebt diese Leben mit, dank Doris Dörris Talent für Situationskomik und der Gestaltung von Figuren, die man trotz sonderlicher Charakterzüge sofort bei sich zu Hause aufnehmen würde, weil sie so menschlich und liebenswert sind.