Hans Peter Niederhäuser: Der Novemberschreiber

Es sieht aus wie ein Buch, ist aber eine Babuschka: Im Text von Hans Peter Niederhäuser geht es um einen Schreibanlass, das Schreiben an sich, das Über-sich-schreiben, das Sich-etwas-erschreiben und das über das Schreiben schreiben.

 

Der 35jährige Pit Weiser macht beim Novemberschreiben mit und will in einem Monat ein Buch schreiben und zwar über sein Leben. Schnell scheint dem alleinstehenden Betriebsökonom das aber zu langweilig für einen guten Stoff. Darum macht er Sachen, die er spannend findet und über die er nach und nach die Kontrolle verliert, freiwillig und unfreiwillig. Er legt sich zum Beispiel mit seinem Chef an oder führt die blutjunge Praktikantin aus und diese beiden Taten machen ihn bald zum Mordverdächtigen.

Im Bett und im Büro

Wie die Geschichte selber ist auch die Umsetzung originell: Pit Weiser schreibt permanent auf was er erlebt, während er es erlebt und das Geschriebe wird 1:1 zum Roman: So ist der Leser immer dabei, sei es im Bett oder im Büro. Und es gibt noch andere Mitleser: Einmal schreibt Pit Weiser im Zug auf dem Laptop. Der Mann neben ihm schaut ihm auf den Bildschirm und Pit tippt: Auch jetzt werde ich den Eindruck nicht los, er blicke immer wieder auf mein Display. Ich vergrössere die Ansicht der Schrift. So kann er zweifelsfrei lesen, was ich schreibe, nämlich dass ich ihn verdächtige, meinen Text zu lesen.

Das Novemberschreiben
Der Debütroman des 1955 geborenen Thurgauers überzeugt mit einer intelligenten, durchdachten und wortwitzigen Geschichte. Wer schreibt, muss das Buch «der Novemberschreiber» auf jeden Fall lesen. Denn die Aktion, an der Pit Weiser mitmacht - das Novemberschreiben - gibt es wirklich und daran können alle teilnehmen, die gerne schreiben und viel schreiben wollen.

Autor/in: Tanja Kummer