Helge Timmerberg: African Queen

«African Queen» rockt. Es ist eine intelligente Reisereportage über Afrika, die keiner ausser Helge Timmerberg so knackig hätte verfassen können. Ab nach Afrika! Wir reisen kreuz und quer durch den Kontinent, von Mali bis Kairo.

Helge Timmerberg: African Queen (Rowohlt)
Bildlegende: Helge Timmerberg: African Queen (Rowohlt)

Helge Timmerberg ist 60, Journalist und hat bereits einige Reiseromane veröffentlicht. Sein Stil ist der Gonzo-Journalismus, der zwischen Literatur und Journalismus pendelt und faktisch sauber aus subjektiver Sicht des Autors erzählt. Der Stil stammt aus Amerika, wurde in den 70ern lanciert und eignet sich wunderbar für Reisereportagen. Helge Timmerberg schildert die Reise kreuz und quer durch Afrika so lebhaft, dass man meinen könnte, man sei selber dabei: Vodoo-Wunder, Korruption, Raubüberfälle, Helfer in Not, bestechende Natur-Erlebnisse und - jetzt kommen wir zum zweiten grossen Thema - die Liebe füllen dieses Wundertütenbuch bis an den Rand.

Delikates Futter fürs Kopfkino

Dem Reisejournalisten Helge Timmerberg war Afrika schnurz. Bis er die Wienerin Lisa kennenlernte, eine Französischlehrerin, 26 Jahre jünger als er. Sie hatte sich gerade dazu verpflichtet, für eine Weile in einer Lodge am Malawisee zu arbeiten. Das junge Paar will sich auf keinen Fall für längere Zeit trennen und so fliegt Helge Timmerberg mit Lisa nach Afrika. Der Altersunterschied, das „Aufeinanderhocken" beim Reisen, Kakerlaken, Krokodile und Malaria: Die Beiden haben mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, vor allem aber damit, dass Helge sich in Afrika nicht wohl fühlt und nach Europa zurück will, während Lisa langsam heimisch wird. Ein schmissiges, witziges und spannendes Buch, das allerfarbigste Filme im Kopfkino startet.

Leseprobe:

Westlich von Mosambik, östlich von Sambia, nördlich von Simbabwe und südlich von Tansania am Malawisee:

Man weiss auch nicht, wann die «Ilala» morgen in See sticht. Toni meint, um 18 Uhr, sein Fahrer sagt, 17 Uhr, und im «Lonely Planet» steht, vormittags um zehn. Don Brioni sagte gestern, man solle, egal, wem man glaubt, vier Stunden vorher da sein. Die «Ilala» sei das unpünktlichste Schiff der Welt und ihr Fahrplan nicht mehr als ein Diskussionsvorschlag fürs Schicksal. Wir sind um 17.30 am Hafen von Chipoka, und ich glaube es fast nicht, wie deckungsgleich dieser rostige Dampfer mit den Träumen Hollywoods ist. Der Film heisst «African Queen», und das deutsche Schiff, das Humphrey Bogart versenkt, sieht aus wie die «Illala». Das Glück der Cineasten durchflutet mich, weil das Original noch rostiger ist als die Kopie, Lisa dagegen sieht nur den Rost. Und sie sieht, was ihrer Laune noch abträglicher ist, den Rost auslaufen. Wir haben die Abfahrt der «Ilala» um schätzungsweise fünf Minuten verpasst. Und jetzt?

Autor/in: Tanja Kummer