Helmut Krausser: Die letzten schönen Tage

Der Buchtitel fiebert potentiellen Lesern Endzeitstimmung entgegen. Der Roman erzählt aber nicht vom Weltfinale, sondern demjenigen einer Beziehung. Einer Dreiecksbeziehung.

Kati und Serge sind Mitte 30 und schon lange ein Paar, als Kati eine Affäre beginnt - ausgerechnet mit David, einem Arbeitskollegen von Serge. Dreiecksgeschichten gibt's wie Sand am Meer, aber selten werden sie so salopp und spöttisch erzählt. Helmut Kraussers (*1964 in Esslingen) Protagonisten sind Leute, die im Heute leben, lieben und leiden.

Das Handy des Partners kontrollieren

Serge und Kati fliegen nach einem psychischen Zusammenbruch von Serge - er hat beruflich versagt - zur Erholung nach Malta. Beide hegen immer grössere Zweifel an ihrer Beziehung und schnüffeln in den Sachen des Partners herum, kontrollieren zum Beispiel das Handy.

Clevere Züge vom Schachmeister

David, der Nebenbuhler von Serge, ist zwar in Berlin, aber irgendwie in Malta mit dabei: Serge knackt das Passwort von Katis Mailaccount und loggt sich ein. So kommt er der Affäre auf die Spur und beginnt als Kati mit David zu mailen. Kein Wunder, sind die Intrigen in diesem Werk äusserst clever verdichtet: Der Autor des Buches ist mehrfach gekrönter Schachmeister.

Flüssig und bissig 

Weil die drei Haupfiguren monologisieren, man also immer nur ihre individuelle Sicht der Dinge erfährt, werden die Leser zu Detektiven und reimen sich die manchmal bitterböse Geschichte selber zusammen. Ein Buch mit Haaren auf den Zähnen!

Autor/in: Tanja Kummer