Iris Gerber «Nachtwerk»

Mit «Nachtwerk» hat die Berner Musikerin Iris Gerber eine Variation des Lebens der Berner Komponistin, Dirigentin und Pianistin Margrit Zimmermann aufgezeichnet, die 1927 in Bern geboren wurde und heute in einem Heim für Demenzkranke lebt.

Ihre Lebensmelodie trug Margrit Zimmermann auf Konzertreisen und als Dirigentin durch die ganze Welt und liess sie leidenschaftlich für die Musik leben und kämpfen.

Keine Zeit!

Iris Gerber hat bei Magrit Zimmermann Musikunterricht genossen und Konzerte mit ihr gespielt. Trotz der gemeinsamen musikalischen Erfahrungen gab es für Iris Gerber aus Unterlagen wie Briefe oder Noten viel Neues über die kämpferische Musikerin zu erfahren.

Margrit Zimmermann nahm sich keine Zeit für persönliche Gespräche, für Freunde oder eine Familie, sie hatte lediglich wechselnde Liebschaften und ein gespanntes Verhältnis zu Mutter und Schwester. Musik, Musik und noch einmal Musik: Das war Margrit Zimmermanns Welt. Und in dieser hat sie anderen Musikerinnen den Weg bereitet.

Leidenschaftliches Zeitdokument

Ein Briefdokumente zeugt davon, dass Margrit Zimmermann beispielweise 1980 nicht vom Schweizerischen Tonkünstlerverein als Aktivmitglied aufgenommen wurde, obwohl sie die Voraussetzungen erfüllt hätte. In diesem und auch anderen Fällen ging es vermutlich darum, dass die Männer keine wortwörtlich dirigierende Frau in ihrem Verein akzeptieren konnten.

Das liess Margrit Zimmermann nicht auf sich sitzen und äusserte sich vehement. Solche Fakten hat die Autorin zusammengetragen und feinfühlig komponiert und damit gleichermassen ein aussergewöhnliches Frauenporträt und ein Zeitdokument geschaffen.

«Nachtwerk» ist ein Muss für Offenohrige, die gerne ein Buch lesen, das wie eine Melodie klingt: Zart und wild, traurig und rein.

Autor/in: Tanja Kummer