Jo kasch tenka

Im neuen Prosastück von Arno Camenisch kommen viele Frauen vor. Der Autor selber bleibt mit «Fred und Franz» aber nur einer treu: Seiner Sprache, dem Camenischdeutsch. Inhaltlich und stilistisch wagt der Bündner Grenzgänge.

Arno Camenisch: Fred und Franz
Bildlegende: Arno Camenisch: Fred und Franz

«Auf einem Grabstein stand geschrieben, ho vissuto, ho amato, ho trincato, coso voglio di più, sagt der Fred, ich habe gelebt, ich habe geliebt, ich habe gesoffen, was will ich mehr? Ein Gebirge, vier Buchstaben, fragt der Franz. Jura, sagt der Fred. (...) Buchmesse mit L, sagt der Franz. Leipzig, sagt der Fred. Im Zug nach Leipzig liebten wir uns auf dem Tisch im Abteil und der Kondukteur kam rein, wir sind bald daheim, sagte er.»

(Auszug, S. 62)

Im seinem vierten Buch auf Camenischdeutsch (eine variierende Kombination aus Schweizerhochdeutsch, Dialekt und Romanisch) lässt der 1978 geborene Arno Camenisch seine Hauptfiguren geistig in alle Welten schweifen, weg von der Alp, dem Dorf und der Beiz, der Schauplätze der zuletzt erschienenen Trilogie «Sez Ner», «Hinter dem Bahnhof» und «Ustrinkata».

Die Hauptfiguren sind Fred und Franz, tendenziell rumpelsurige Lebensreisegefährten mit ewiger Zigarette im Mundwinkel und Schnaps in der Tasche. Frage und Gegenfrage sind das Öl im Dialogfeuer, das dieses Buch ausmachen und unterscheiden. Sie zünden sich an - voller Vertrauen.

Obwohl wir das raue-melancholische Gespräch belesen und nicht belauschen, ist es verblüffend intim. Zwischen die Dialoge schieben sich spärliche (zumeist Personen-) Beschreibungen, die den atmosphärischen Raum des Buches erweitern: «An der Bar sitzt ein Mann mit einem Hörrohr und trinkt grosse Kübels».

Der Tod ist ein wiederkehrendes Thema. «Wie willst du gehen, fragt der Fred. Sterben, fragt der Franz. Wenn du wählen dürftest, sagt der Fred. Ich will nicht sterben, sagt der Franz.»

Und sie reden über Frauen, besonders Maria, der Fred nachtrauert, aber auch über andere Frauen aus der Vergangenheit, Liebeleien in anderen Ländern. Das sind federleichte, herrlich schräge Passagen.

Dass im obigen Buchzitat die Buchmesse Leipzig angesprochen wird, wirkt wie ein schwarz auf weisses Augenzwinkern des Autors, der bühnen- und publikumserprobt ist wie kein zweiter Schweizer Schreibender derzeit und höchstwahrscheinlich mit «Fred und Franz» im nächsten März an der Buchmesse Leipzig zu Gast sein wird.

Arno Camenisch: Fred und Franz
Engeler Verlag, 80 Seiten
ISBN: 978-3-906050-06-5

Autor/in: Tanja Kummer