Maja Peter: «Eine Andere»

Mit ihrem intimen Debütroman schenkt Maja Peter der Literaturwelt eine sensible Frauenfigur, die in der heutigen Zeit erschrieben wurde und sich mit einem allzeit brisanten Thema auseinanersetzt.

Die 1969 in Zürich geborene Autorin stellt uns ihre weibliche Hauptfigur in verschiedenen Kapiteln vor. Mit jedem Kapitel lernen wir eine andere Facette ihrer Befindlichkeit kennen, quer durch verschiedene Lebenszeiten- und Situationen. Einmal erleben wir sie im Fitnesszenter, einmal im Büro.

Bewusst und unbewusst schleift sie sich immer wieder an der Frage, wer sie ist und was sie glaubt, in den betreffenden Situationen sein zu müssen. Ein immerwährendes Thema: Die Frage nach der eigenen Identität. Das Buch spiegelt die Frage an aktuellen Beispielen, die uns vertraut sind wie Jobsuche oder das Werben um Liebe.
Kein Platz für Doppeldeutigkeiten

Manchmal versteckt, manchmal deutlich beschreibt die Autorin Kindheitserinnerungen ihrer Protagonistin. Diese lassen erahnen, dass ihr auf vielerlei Arten abwesender Vater es ihr schwer gemacht hat, zu sich selber zu stehen. Als sie erwachsen ist, schreibt er ihr einen Brief, zu dem sie sich denkt:

Du schreibst, Du sorgest Dich um mich. Du bedauerst. Und begründest. Deine Mutter, die Krankheit, meine Mutter, die Scheidung. Ich weiss. Ich bin damit aufgewachsen. Warum glaubst Du, mich daran erinnern zu müssen?

Ein vielschichtiges Debüt mit intensivem Sprachrhythmus - die Mischung machst: Die langen Sätze verleiten zu Assoziationen, die kurzen Sätze lassen keine Doppeldeutigkeit zu.

Autor/in: Tanja Kummer