Martin Mandler «23 Tage»

Oh Melancholie! Sie ist es, die einem ins Herz kriecht, wenn man den Debütroman «23 Tage» des 33jährigen Tirolers Martin Mandler liest. Der Auslöser für die Melancholie ist ein altbekanntes Geschwisterpaar: Liebe und Sehnsucht.

Mein Kummer. Dieses übertrieben grosse Leid, das sich in mir ausbreitet. Bloss, weil Laura für 23 Tage fort sein wird.
Bildlegende: Mein Kummer. Dieses übertrieben grosse Leid, das sich in mir ausbreitet. Bloss, weil Laura für 23 Tage fort sein wird.

Der Autor erzählt - schwerherzig und leichtfüssig - eine Geschichte vom Lieben und vor allem vom Leben.

Der Anfang des Buches kommt profan daher. Die Freundin des Ich-Erzählers reist für 23 Tage nach London. Ich erinnere mich. Ich erinnere mich an Laura und mich. Auf einem halb verlassenen Bahnsteig im spätsommerlichen Bregenz. An die warme Luft auf ihrer Haut.

Die Frage nach der eigenen Bedeutsamkeit

Aber was da sehnsüchtig und etwas selbstmitleidig daher kommt, entpuppt sich bald als messerscharfe Analyse eines Zustandes, den wir alle kennen: Das Alleinsein. Die Gedankenspirale führt vom Alleinsein zur Einsamkeit und zur Frage nach der Bedeutsamkeit des einzelnen, einsamen Menschen.

Eine Wende in der Beziehung

In diesem Buch erwacht der Ich-Erzähler aus einem jugendlichen «Hallo Welt, hier bin ich!» Zustand in ein Erwachsensein hinein, in dem er merkt, dass er nicht so bedeutend, nicht so tatkräftig, nicht so begabt, ja, nicht so aussergewöhnlich ist, wie er gemeint hat. Und hinterfragt, ob man das alles überhaupt sein muss.

Das ist wunderbar menschlich und beruhigend. Und wer sich wundert, wo die für diese Gedanken ausschlaggebende, nach London geflogene Freundin bleibt, dem darf verraten sein, dass sich in dieser Beziehung zum Schluss des Buches eine spannende Wende vollzieht.

«23 Tage» ist ein Muss für LeserInnen im frühen und späteren Mittelalter - also von  ungefähr 25 bis 45 - und alle, die an diesem Alter interessiert sind.

Autor/in: Tanja Kummer