Martin R. Dean: Ein Koffer voller Wünsche

Des Lesers Wunschkoffer ist nach dieser Lektüre leer. Der Schweizer Schriftsteller Martin R. Dean macht mit der aufwühlenden, wohldurchdachten und köstlich komisch erzählten Geschichte eines Orientierungslosen restlos glücklich.

 

Als Leser wünscht man sich

a) eine gute Geschichte:

Filips Freundin will heiraten und eine Familie gründen. Wie ihr Vater, ein gut betuchter Patron, macht auch sie sich mehr aus eisernem Willen als aus Zweifel. Filip ist ganz anders. Er ist unsicher und orientierungslos und weiss nicht, ob er eine eigene Familie will - er hat keinen Familienbezug, seine Mutter war alleinerziehend, der Vater ist abgehauen. Filip möchte in Ruhe über das Familiehaben nachdenken und nimmt sich eine Auszeit in London.

b) neue Perspektiven:

In der englischen Metropole arbeitet Filip in einem Reisebüro. Dieses verkauft nicht nur Bilderbuchtrips à la Jungfraujoch, Matterhorn und Co., sondern wartet auch mit kleineren und unbekannteren Destinationen auf: «Aarau ist klimatisch wie mental eine gemässigte Zone, es gibt keine Gipfel zum Abstürzen und keine Realitätsschocks. Aarau ist Mittelland, manchmal sonnig, manchmal neblig, Aarau ist die Schweiz», denkt sich Filip und bringt die Reise an die Kunden. Aus dem fernen London schauen wir mit diesem Buch auf eine Schweiz, wie wir sie nicht unbedingt sehen. Oder sehen wollen.

c) ein gelungenes Spiel von Inhalt und Sprache

Martin R. Dean erzählt seine geistreiche Geschichte mit grossem, virtuosem, manchmal aussergewöhnlich aber immer stimmig eingesetztem Wortschatz. Und - very important: «Ein Koffer voller Wünsche» ist mit seiner Situationskomik immer wieder absolut amüsant.

Autor/in: Tanja Kummer