Pia Solèr: Die Weite fühlen - Aufzeichnungen einer Hirtin

Auswandern, eine Beiz aufmachen oder Schafe hüten - jeder hat einen Aussteiger-Traum und stellt sich gerne vor, was wäre, wenn ... Pia Solèr weiss wie es ist, wenn ... frau Schafe hütet.

 

Es heisst oft, Schafe seien blöd, weil sie hintereinander den Fels hinab springen. Machen wir das nicht auch? Hast du ein iPhone, will ich auch eins.
... Das ist eines von vielen Bonmots aus dem kleinen feinen Buch von Pia Solèr (*1971). Sie ist seit 18 Jahren im Sommer Schafhirtin auf einer Alp ob Vrin - wo sie auch geboren wurde - im Val Lumnezia in Graubünden. Hirtin sein ist für sie Beruf und Leidenschaft - oder einfach gesagt das, was man «Berufung» nennt.

Ausgebüxte Tiere, verschwundene Touristen

Wie im Untertitel bereits verraten wird, haben wir es nicht mit einem Roman, sondern mit kurzen Aufzeichnungen aus Pia Solèrs Alltag zu tun, die kernig und echt verfasst wurden: Das Hirtenleben hat mich gepackt. Die stille Freiheit. Gut, ihr mögt glauben, ich sei altmodisch - bin ich auch. Macht nichts, ich fühle mich wohl dabei. Sie lebt alleine, hält die Alp im Schuss, sucht ausgebüxte Tiere oder verschwundene Touristen - Handyempfang hat sie nur auf einem einzigen Hügel. In diesem Buch hat sie ihre Erlebnisse und Erinnerungen notiert.

Wie ein Glas Milch

Es sind Gedanken live aus der Stille der Alpen, nicht im Internet zusammenrecherchiert, ohne Fernsehhintergrundgequassel - das ist einfach und erfrischen wie ein Glas Milch. Ein Buch wie eine Eintrittskarte zu einer Welt, die uns örtlich nahe, gedanklich aber manchmal sehr fern liegt.

Autor/in: Tanja Kummer