Pic & Dante Andrea Franzetti: Das Bein ohne Mann

«Das Bein ohne Mann». Nicht: «Der Mann ohne Bein». Nein: «Das Bein ohne Mann». Ist es dasselbe? Wie man es sieht. Der Clown Pic und der Schriftsteller Dante Andrea Franzetti sehen eben vieles anders.

Das ist die Geschichte: Einem Mann muss aus gesundheitlichen Gründen ein Bein amputiert werden. Danach erhält er eine Rechnung vom Bestattungsunternehmen über 213 Euro für die Beerdigung seines Beins. Er beklagt sich. Und erfährt, dass das Spital nur Weichteile kostenlos entsorgt.

Aus dem Bein wird Fussball 

Eine wahre Geschichte, die der Mann ohne Bein dem Schweizer Schriftsteller Dante Andrea Franzetti persönlich erzählt hat. Dieser hat sie aufgeschrieben und sie dem europaweit bekannten Clown Pic aus St. Gallen geschickt. Er nimmt in seinem Antwort-Text das Thema «Bein» auf und schreibt über Fussball, vor allem über seine Beziehung zum FC St. Gallen, der ihm am Herz liegt.

Mehr als eine Frage von Leben und Tod

Das ist das Konzept des Buches: Zwei Schweizer Künstler unterhalten sich im Text-Ping-Pong. Dabei erfährt man allerhand: Autobiografisches aus dem Alltags- und Künstlerleben, Geschichten aus aller Welt und im Falle von Dante Andrea Franzetti auch fiktive Literaturstücke. Zwei Künstler, die sich schreiben - ergibt das nicht abgehobene oder unverständlich intellektuelle Texte? Nein, überhaupt nicht. Die Beiden stehen mitten im Leben, mit beiden Füssen auf dem Boden und sind mit unzähligen anderen Männern einer Meinung: Fussball ist nicht alles. Aber doch viel mehr als eine Frage von Leben und Tod.

Ein Buchgenuss

Beide Künstler sind gute Beobachter und versiert darin, Gedanken zu spinnen, sie formulieren ihre Geschichten gekonnt und bereichern sie mit Witz und Esprit. Das Buch ist ideal für Leser, die gerne Kopfreisen machen, sich von Einblicken und Eindrücken verführen und anregen lassen. Ein Buch, das man geniesst wie ein gutes Glas Wein: Ein Schluck um den anderen, also Wort um Wort.

Autor/in: Tanja Kummer