Sandra Hughes: Zimmer 307

Valentinstag - Hilfe! Nicht schon wieder dieses rosarote Kommerztamtam mit Rosen und Schoggi!  ...

Wer so denkt, schleicht sich besser aus der Gesellschaft,  macht daheim die Läden zu und geniesst das  wohltuenden Antiprogramm - den Roman «Zimmer 307» der Schweizer Autorin Sandra Hughes.

 

Felicitas arbeitet in Pontresina als Rezeptionistin. Eines Tages taucht Domenico im Hotel auf, im Schlepptau seiner älteren Geliebten. Der kettenrauchende Gigolo ist Felicitas Liebe auf den ersten Blick. Auch er prägt sich Felicitas ein und sucht sie später an ihrer neuen Arbeitsstelle in Zürich auf.

Flucht in den Tod

Die unsichere Felicitas lässt sich auf den anfangs charmanten und aufmerksamen Domenico ein. Doch er hat auch andere Seiten und aus der Liebesbeziehung wird bald eine Amour Fou. Es kommt zur Trennung, nach der sich Felicitas in den Tod flüchtet. Sie treffen sich erst im Jenseits wieder.

Der Himmel als Arbeitshölle 

Das Leben nach dem Tod ist in diesem Buch ziemlich höllisch. Es wird in verschiedenen Abteilungen geschuftet wie auf Erden. Felicitas muss Körbe flechten. Doch mit ihrem Tod hat sie sich verändert: Sie ist tatkräftiger geworden. Zielstrebig arbeitet sie sich nach oben und gründet schliesslich eine eigene Abteilung für ein besonderes Klientel:

Unsere Angestellten zweigten wir vom Strom der Männer ab, die sich auf dem Aufstieg in die Abteilung Vision befanden, trotz zweifelhaftem Lebenswandel und sich ins Fäustchen lachten. Früher fälschten sie Dokumente und Schecks, sie strichen hohe Boni ein, hinterzogen Steuern, betrugen arme Schlucker um ihre Renten hintergingen ihre Frauen.

Diese Männer kriegen in dieser Abteilung was sie verdient haben. Und eines Tages steht Domenico vor Felicitas ...

Der dritte Roman von Sandra Hughes ist oft zartbitter und manchmal bitterböse. Die Autorin jongliert darin gängige Geschlechterklischees und Stereotypen aus der Arbeitswelt luftig-leicht- ironisch durch die Seiten. Ein Gesamtkunstwerk mit Biss!

Autor/in: Tanja Kummer