Schlaf, Kindlein, SCHLAF JETZT ENDLICH!

Wache Nächte, Spielzeug statt Gemütlichkeit im Wohnzimmer, mehr Babybrei an Boden und Wänden als im Babymund. Wer das aus dem Effeff kennt, muss dieses Buch lesen.

Pamela Druckerman: Warum französische Kinder ...
Bildlegende: Pamela Druckerman: Warum französische Kinder ...

«Es geht darum, Grenzen zu ziehen und gleichzeitig soll man das Kind beobachten, Komplizenschaft herstellen und dann situationsgerecht reagieren.»

Dieses simple Fazit zieht die Amerikanerin Pamela Druckerman, wenn sie die französische Kindererziehung beschreibt. Um darauf zu kommen, musste die Journalistin aber jahrelang recherchieren. Und lernen. Von französischen Müttern und Vätern, von Erziehungspsychologen und natürlich von fremden und den eigenen Kindern.

Pamela Druckerman zog mit ihrem Mann nach Paris, die Stadt der Liebe und offenbar auch der guten Kinderstube. Bei der Erziehung der gemeinsamen Tochter Bean stellt Pamela Druckerman fest, dass die Kleine im Vergleich zu französischen Kinder immer wieder komplett ausser Rand und Band war. Nicht, dass französische Kinder nicht auch ihr individuelles Temperament hätten, aber sie können im Gegensatz zu Bean auch warten, schlafen durch und probieren jedes Lebensmittel.

Unterdessen hat Pamela Druckerman drei Kinder, die, wie viele französische Kinder, früher selbständiger sind als andere und gelernt haben, dass man als Mensch eine gewisse Frustrationsgrenze aushalten muss und sich nicht alles um das eigene Ego dreht. Das ist der Massstab aller Erziehungsansätze in diesem Buch: Die Eltern richten ihr Leben nicht nach dem Kind aus, sondern gestalten es so, dass es vor allem ihnen gut geht. Sprich: Es gibt keine wachen Nächte, das Kind muss lernen durchzuschlafen. Wie das geht, steht diesem Erfahrungsbericht, der mit Auszügen aus Erziehungsstudien und einem Kuchenrezept bereichert ist.

Leseprobe, Seite: 103
Ich staune, wie anders die französischen Erwartungen gegenüber kleinen Kindern sind, als ich in unserem Urlaub am Meer mit Bean in einen Laden mit perfekt aufeinandergestapelten bunten Matrosen-T-Shirts gehe. Bean beginnt sofort, sie zu Boden zu reissen. Als ich sie ausschimpfe, hört sie nur kurz damit auf. Für mich ist Beans schlechtes Benehmen ganz normal für ein Kleinkind: Deshalb staune ich, als die Verkäuferin ohne jede Häme sagt: «Das habe ich noch bei keinem Kind erlebt.» Ich entschuldige mich und eile zur Tür.

Pamela Druckerman: Warum französische Kinder keine Nervensägen sind
Mosaik Verlag, 368 Seiten
ISBN: 978-3-442-39245-2

Autor/in: Tanja Kummer