Simeliberg

Der Schweizer Schriftsteller Michael Fehr macht mit «Simeliberg» von sich reden, einem Dialekt-gefärbten düsteren Krimi.

Nora Zukker
Bildlegende: Nora Zukker SRF 3

Michael Fehr bringt einen neuen Ton in die zeitgenössische Literatur. «Simeliberg» ist zweierlei: Klangkunstwerk und rätselhafe Kriminalgeschichte.

Erzählung und Klang gehen eine ungewöhnliche Symbiose ein. Der Titel «Simeliberg» erinnert an das gleichnamige Grimmsche Märchen. Michael Fehr evoziert eine Geschichte von existentieller Wucht um Themen wie Ideologie und Verwirrung, Vereinsamung und Geborgenheit. Bis ins Feinste der Worte inszeniert Fehr ein poetisch musikalisches Gesamtwerk.

Leseprobe:

Grau
nass
trüb
ein Schweizer Wetter
ziemlich ab vom Schuss
nur über einen pflotschigen Karrweg von oben herab zu erreichen
in einem Krachen ein wüstes
tristes Bauernhaus mit ungestümem Dach
ein zerklüfteter Haufen aus grauen und schwarzen Tupfen
unter dem ein Haufen blinder Fenster leer in die Öde starrt
in der wenig heiteren Stube hocket der Landmann mit dem Rücken zur Fensterzeile
nach der drückenden Stille
mit der das Gebälk lastet und den Raum niedrig hält
der einzige Mann und Mensch im Haus
draussen motort es schwankend von oben herab zum Haus heran

Michael Fehr: Simeliberg
Der gesunde Menschenversand
Leinen, 144 Seiten
ISBN: 978-3-03853-003-9

Autor/in: Nora Zukker