ungeheuer gut!

Mit gerade mal zwei Romanen hat sich Astrid Rosenfeld in den deutschsprachigen Schriftstellerolymp katapultiert. Ihr neues Buch «Elsa ungeheuer» strotzt vor Fabulierkunst und Fantasie.

Astrid Rosenfeld: Elsa ungeheuer (Diogenes)
Bildlegende: Astrid Rosenfeld: Elsa ungeheuer (Diogenes)

Über Astrid Rosenfeld gibt es keinen Eintrag bei Wikipedia. Soviel zu unserem unerschütterlichen Glauben an die Allwissenheit der Internetplattform ... Denn die gebürtige Kölnerin mit Jahrgang 1977 hat sich bereits 2011 mit ihrem Debütroman «Adams Erbe» zu Berühmtheit geschrieben.

Über die jüdische Familiengeschichte konnte man nur staunen, ist sie doch gleichermassen geistvoll und unterhaltend erzählt und es gelingt der Autorin, ihren zartbitteren Humor durchs ganze Buch zu ziehen.

Ihr neues Buch «Elsa ungeheuer» liest sich einfach frisch, absolut frisch, als hätte es keinen von den Kritikern in höchsten Tönen gelobten Erstling und somit keinen Druck gegeben, ein ebenso gutes zweites Buch nachzuliefern. Unglaublich, wie Astrid Rosenfeld die Lebensgeschichten verschiedener Leute federleicht komponiert und trotzdem ihre ganze Tiefe zeigt.

Elsa ist die Hauptfigur, auch wenn sie in der Hälfte des Buches nicht nur aus dem Dorf in der Oberpfalz, sondern zeitweilig auch aus dem Buch verschwindet. Verschwinden tut sie vor allem aus dem Leben des jungen Karl Brauer, der sich als Kind unsterblich in das Teufelsweibchen Elsa verliebt hat. Zu Karls Leidwesen gibt sie sich aber kurz vor ihrem Verschwinden immer mehr mit dessen Bruder Lorenz ab als mit ihm.

Schnitt. Elsa ist weg. Karl ist erwachsen und sein Bruder Lorenz ein Star, wird in den Medien als der Maler gehypt, der etwas noch nie Dagewesenes schaffen wird. Aber er führt kein unabhängiges Künstlerleben, sondern steht im Dienste zweier Frauen. Die Autorin überzeugt mit einer scharfsinnigen Bestandesaufnahme einer Kunstszene, in der Geld und Macht weit mehr Wert sind als Talent. Karl ist Lorenz Assistent geworden, lebt in den Tag hinein, ist unzufrieden und weiss, dass er sein Leben selber in die Hand nehmen könnte, wüsste er nur, warum Elsa damals einfach gegangen ist und ob es vielleicht doch noch eine gemeinsame Zukunft für sie beide gibt.

Astrid Rosenfeld spinnt ihr Buch aus allerbestem Garn: Ein roter Faden für die Glanzleistung, eine so komplexe Geschichte scheinbar einfach aus dem Ärmel zu schütteln. Buntgescheckte Fäden für ihr charakterstarkes Personal. Und ein glitzernder Faden für ihren schillernden Erzählstil.

Leseprobe (Elsa und Karl lernen sich kennen):

«Wie heisst du?» Elsas Stimme war tief und der Tonfall fordernd. Langsam blickte ich zu ihr hoch. «Ka ... Karl.»
Zwei braune Augen verengten sich zu Schlitzen. «Karl ... ich glaube, ich werde dich Fetti nennen. Du bist nämlich ziemlich fett, Fetti.»
Ich protestierte nicht, nein, ich lächelte. Dankbar, dass sie mir überhaupt einen Namen gab, dass sie mich nennen wollte.
«Und was ist mit deinen Haaren los? Sieht ganz schön eklig aus.»
«Ich ... Ich muss sie kämmen.»
«Ja, das musst du wohl. Wie alt bist du, Fetti?»
«Acht.»
«Pffft», machte Elsa. «Dann bist du ja noch ein ganz kleines Kind.»
«Und du?»
«Ich bin schon elf.»

Astrid Rosenfeld: Elsa ungeheuer
Diogenes Verlag, 277 Seiten
ISBN: 978-3-257-86226-3

Autor/in: Tanja Kummer