Ursula Fricker: Ausser sich

Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr wie es war. Der fesselnde Roman «Ausser sich» erzählt von einem Paar, das durch einen Schlaganfall auseinandergerissen wird.

Katja und Sebastian sind ein Architektenpaar aus Berlin, das mitten im Leben steht. Die Zeit für Zweisamkeit ist knapp und sie orientieren sich - auch wenn es darum geht, ob sie Kinder haben wollen - stets an einem «Später».

Doch dann erleidet Sebastian einen Schlaganfall. Er überlebt, ist geistig aber schwer behindert. Es gibt keine Chance, dass sich sein Zustand bessern wird. Zwar kann er gehen, gestikulieren und sich mit Lauten äussern, aber Katja weiss nicht, ob er sie erkennt. Sie stellt sich die Frage nach der Qualität seines Lebens, wird von Gewissensbissen gequält.

Niemand kann ihr sagen, was moralisch richtig ist. Ob Sebastian es zum Beispiel merkt, wenn sie das Heim, in dem er wohnt, verlässt und arbeiten geht.

Präzise Beschreibungen

Ursula Fricker, die 1965 in Schaffhausen wurde und heute in der Nähe von Berlin lebt, hat ein Buch geschrieben, das aufwühlt, aber nicht deprimiert. Sie erzählt mit nüchterner Sprache und hat mit Katja eine Protagonistin erschaffen, die nicht nur in Trauer versinkt, sondern auch mutig denkt und handelt.

Die Autorin schildert den sich verändernden Zustand von Sebastian präzise und ohne sich in medizinischen Schilderungen zu verlieren. Der Roman versetzt die Leser in Spannung, in eine Wachsamkeit, die dafür sorgt, dass man dranbleiben und die verschiedenen Facetten des Themas kennenlernen möchte. Ein durch und durch starkes und überzeugendes Werk.

Ursula Fricker liest aus ihrem Roman «Ausser sich»:

Donnerstag, 8. März um 19.30 im Raum für Literatur, Hauptpost, St. GallenSonntag, 11. März um 11 Uhr im Museum Lindwurm im Stein am Rhein

Autor/in: Tanja Kummer