Vollkommen verwirrt verliess ich den Raum.

Hatte ich den Job? Hatte ich gesagt, dass ich ihn haben wollte? Was ist das überhaupt für ein Job? Wer zum Teufel fängt um vier Uhr Nachmittags an zu arbeiten?

Gail Parent: Sheila Levine ist tot und lebt in New York (Metrolit)
Bildlegende: Gail Parent: Sheila Levine ist tot und lebt in New York (Metrolit)

Über diese Fragen grübelnd verlässt Sheila Levine ein Vorstellungsgespräch. Sheila Levine ist

- 30
- jüdisch
- single
- dicklich und
- wohnt im zauberhaft schillendernden New York der 70er.

Und - das alles geht ihr gehörig auf den Keks. Hochneurotisch wie eine Figur von Woody Allen beschliesst sie, aus dem Leben zu scheiden und verabschiedet sich mit einem Brief, notabene diesem herrlich bissigen Buch. Carrie Bradshaw? Bridget Jones? Mit Sheila Levine geht es noch zynischer, noch direkter, auch wenn sie schon viel, viel älter ist, denn:

Dieser absolute Wurf von Gail Parent - der Erfinderin der Serie Golden Girls - ist erstmals 1972 erschienen. Zeitlos, klug und ohne jegliche Längen tüpft sie die Themen, die den Menschen während des Erwachens ins Erwachsensein beschäftigen: Von ersten Ferienreisen, der ersten eigenen Wohnung (und die dazugehörige schwierige Suche in New York - köstlich!) und - die Begegnung zwischen Männlein und Weiblein.

Ein Buch für Leserinnen und Leser, die vif-witzige Literatur schätzen.

Leseprobe, Seite 100:

Der Flughafen war voller Menschen. Auf jeden, der abflog, kamen drei, die ihn verabschiedeten. Die Minsks waren gekommen und küssten und umarmten ihre Linda, sagte glücklich und gleichzeitig traurig immer wieder Good-bye. Meine Eltern waren auch da und versicherten mir, dass ich ausgeraubt, vergewaltigt und entführt würde, wenn ich ihre Ratschläge missachtete.
«Sheila, denk daran, nimm nur ordentliche Hotels und leg Klopapier auf die Brille.»
«Sheila, versteck dein Geld an einem sicheren Ort. Nimm nicht immer alles mit und lass es nicht im Hotelzimmer herumliegen.»
«Sheila, wenn du in Schwierigkeiten gerätst, geh zur nächsten amerikanischen otschaft. Sie werden sich um dich kümmern. Du weißt, das ist dein gutes Recht. Als amerikanischer Staatsbürger. Wir zahlen genug Steuern.»
«Was machst du, wenn dein Geld weg ist?»
«Ich geh zu American Express.»
«Was machst du, wenn du aus irgendeinem Grund mehr Geld brauchst?»
«Ich schick euch ein Telegramm.»
«Was machst du, wenn die Klobrille nicht sauber ist?»
«Ich geh zur amerikanischen Botschaft.»

Gail Parent: Sheila Levine ist tot und lebt in New York
Metrolit Verlag, 304 Seiten
ISBN 978-3-8493-0309-9

Autor/in: Tanja Kummer