Wolfram Fleischhauer: Torso

«Martin Zollangers Handy klingelte um 4.37». Der erste Satz im Buch «Torso» lässt keine Rückschlüsse auf sein Genre ziehen. Das schafft aber der Nachname des Autors - oder was würden Sie schreiben, wenn Sie «Fleischhauer» heissen würden?

 

Ganz genau, wir haben es bei «Torso» des 51jährigen Schriftstellers  Wolfram Fleischhauer aus Karlsruhe mit einem Thriller zu tun. Den Torso - dieses Ding ohne Arme, Beine und Kopf - nennen wir auch Rumpf. Und ein Solcher wird in Berlin Lichtenberg gefunden. Ein weiblicher Rumpf, in den jemand einen Stab gedrückt hat, um einen Ziegenkopf darauf zu stecken. Das erfährt Hauptkommissar Martin Zollanger, als er den oben erwähnten Anruf entgegennimmt.

Selbstmord - oder doch nicht?

Wer sich die Grausamkeit «Torso mit Ziegenkopf» ausgedacht hat, sei hier nicht «gespoilert» («spoilern» bedeutet, anderen den Spass an einem Buch oder Film zu verderben, indem man wichtige Teile der Handlung verrät). Aber die Auflösung verblüfft. Die Hauptfiguren sind Kommissar Zollanger, der aus der ehemaligen DDR stammt und Elin, eine 30jährige Frau, die den Kontakt zu ihm sucht. Elins Bruder ist gestorben. Selbstmord, sagt die Polizei. Aber Elin glaubt, dass etwas anderes dahinter steckt.

Ein hochspannender Wirtschaftsthriller

Alle Ereignisse in diesem Buch stehen in einem Zusammenhang und haben mit dem Berliner Bankenskandal zu tun. Dieser sorgte vor mehr als zehn Jahren im grossen Kanton für Aufsehen, das damals entstandene Finanzfiasko belastet Berlin noch heute. «Torso» ist ein Wirtschaftsthriller, der diejenigen LeserInnen anspricht, denen eine fundierte Geschichte - die auch einen Teil der Historie der ehemaligen DDR erzählt - wichtiger ist, als dass einem alle zwei Seiten das Blut in den Adern gefriert.

Autor/in: Tanja Kummer