«Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge» von Rainer Maria Rilke 7/9

Ein grossartiger Vorleser interpretiert die Prosa eines grossen Lyrikers: Gert Westphal liest den einzigen Roman von Rainer Maria Rilke. Der vielschichtige Text von 1910 markiert den Durchbruch zur literarischen Moderne. Seine bildstarke Sprache ist eine Herausforderung für den Leser und die Hörer.

Schwarz-weiss Foto eines alten Buchs.
Bildlegende: Malte erinnert sich an unvergessliche Geschichten. FLICKR/Martin Fisch

Malte überlässt sich in seinen Aufzeichnungen dem Strom der Gedanken: so wird das Störgeräusch eines Büchsendeckels zur Versuchung eines Heiligen. Dann erinnert er sich an jenes kleine, grüne Buch aus der Kindheit, das zwei unvergessliche Geschichten enthielt: die des Hochstaplers Grischa Otrepjow, der als der falsche Zar Demetrius in die russische Historie einging. Und der Bericht vom grausamen Ende Karls des Kühnen, des Herzogs von Burgund, der 1477 in der Schlacht von Nancy zugrunde ging.

Mit solchen Stoffen aus geschichtlicher Zeit war Malte als Kind zu einem Leser geworden. Und er ist es immer noch, etwa, als er sich mit Abelone in die Briefe der Romantikerin Bettina von Arnim vertieft.

Sprecher: Gert Westphal - Produktion: SRF 1973 Dauer: 40‘

Redaktion: Reto Ott