«Die Reise nach Petuschki» von Wenedikt Jerofejew 10/10

«‚Du sprichst sehr schön, Mitridates. Doch warum hast du ein Messer in der Hand?‘ ‚Na warum wohl? Erstechen will ich dich, darum.‘ Bisher hatte er ganz friedlich gesprochen, aber nun fletschte er die Zähne und sein Gesicht verfinsterte sich. ‚Nicht doch, Mitridates!‘ flüsterte oder schrie ich.»

Ein Mann trinkt Wein. Das Foto ist schattig.
Bildlegende: Ein Buch, ein Rausch: «Die Reise nach Petuschki». Keystone

Dieser Klassiker der russischen Moderne ist ein einziger Rausch und gleichzeitig eine der besten Abbildungen der damaligen russischen Realität.

Wenitschka hat Petuschki erreicht. Die Reise könnte zu Ende sein. Ist sie aber nicht. Denn ein Zug lässt sich wohl einfach stoppen, ein Rausch hingegen nicht. Und nach dem Zustand der glückseligen Trunkenheit, nach dem Stadium der Selbstüberschätzung bei messerscharfem Verstand, wird Wenitschka nun von Geistern und Schrecken heimgesucht.

Wenedikt Jerofejew (1938-1990) studierte Geschichte und Literatur bis er von der Uni flog und sich fortan als Heizer, Wärter, in der Pfandflaschenannahme, als Milizionär, Strassenarbeiter und Monteur beim Fernmeldewesen durchs Leben schlug. Sein Meisterwerk "Die Reise nach Petuschki" entstand im Herbst 1969, wurde in Israel 1973 erstmals auf russisch publiziert und war erst 1988 - leicht gekürzt - in der Sowjetunion zu lesen.

Sie hören den Live-Mitschnitt der Lesung im Hamburger Literaturhaus am 27.Januar 1998.

Sprecher: Harry Rowohlt, Robert Gernhardt, Josef Bilous - Übersetzung: Natascha Spitz - Produktion: Kein & Aber 2001 - Dauer: 26

Redaktion: Susanne Heising