«Die Reise nach Petuschki» von Wenedikt Jerofejew 9/10

«Der Mensch darf nicht einsam sein. Der Mensch muss sich den anderen geben. Auch wenn ihn keiner haben will. Und wenn er trotzdem einsam bleibt, muss er durch die Abteile laufen; er muss Menschen finden und ihnen sagen: Da bin ich! Wohin fahren wir? Nach Moskau? Oder nach Petuschki?»

Bahnhofsgebäude in Petuschki, Russland.
Bildlegende: Bahnhofsgebäude in Petuschki, Russland. Wikimedia/A. Savin

Dieser Klassiker der russischen Moderne ist ein einziger Rausch und gleichzeitig eine der besten Abbildungen der damaligen russischen Realität.

Sein Köfferchen voll Schnaps fest ans Herz gedrückt, besteigt Wenedikt Wenitschka Jerofejew am Kursker Bahnhof den Vorortzug von Moskau nach Petuschki. Er will zu seinem Mädchen. Die Reise wird zu einer einzigen Sauftour: Wenitschka trinkt, die Mitreisenden trinken, sogar der Oberschaffner trinkt mit den Schwarzfahrern mit. Von Station zu Station und von Flasche zu Flasche werden Wenitschkas Monologe und sein Gedankenaustausch mit den Reisegefährten aberwitziger.

Nun ist Wenitschka im Zug eingeschlafen und als er erwacht, hat er völlig die Orientierung verloren. Er weiss nicht mehr, wo hin er fährt und seltsamerweise ist der fahrende Zug menschenleer. Auch die Figuren, die er kraft seiner wodkabeflügelten Phantasie auftreten lässt, können ihm keine Antwort geben.

Sie hören den Live-Mitschnitt der Lesung im Hamburger Literaturhaus am 27.Januar 1998.

Sprecher: Harry Rowohlt, Robert Gernhardt, Josef Bilous - Übersetzung: Natascha Spitz - Produktion: Kein & Aber 2001 - Dauer: 24

Redaktion: Susanne Heising