«Romeo und Julia auf dem Dorfe» von Gottfried Keller 2/6

In einer seiner berühmtesten Novellen thematisiert Keller die bäuerlich-kleinbürgerliche Lebensform des 19. Jahrhunderts, deren Werte und Normen zwei Jugendliche in den Tod treiben.

Starenschwarm über einem Dorf im Ostfriesland.
Bildlegende: In Kellers Novellen hassen sich die Eltern, deren Kinder sich lieben. Imago

Die Novelle geht auf ein tatsächliches Ereignis zurück, von dem Keller aus der Züricher Freitagszeitung vom 3. November 1847 erfuhr.

Die beiden Bauern Manz und Marti tragen einen erbitterten Rechtsstreit aus, Leidtragende sind aber vor allem ihre Kinder, Sali und Vrenchen. Deren glückliche Kindheit ist dahin. Vrenchen, kaum 14, verliert die Mutter, die vor Kummer krank wird und stirbt. Das Mädchen leidet unter der Tyrannei eines verwilderten Vaters. Salis Eltern hingegen wirtschaften den Hof vollends herunter. Er kommt unter den Hammer. Die Welt der Väter ist nunmehr eine Sphäre des verwilderten Lebens, die Attribute bürgerlicher Ordentlichkeit sind ins Unerreichbare geschwunden.

Sprecher: Gert Westphal - Produktion: SRF 1994 - Dauer 29

Redaktion: Johannes Mayr