Yates, Moritz, Sulzer, Otsuka und Ford

Stefan Zweifel, Elke Heidenreich, Hildegard Keller und Rainer Moritz diskutieren die Bücher im September: Richard Yates: «Eine gute Schule», Rainer Moritz: «Der fatale Glaube an das Glück», «Aus den Fugen» von Alain Claude Sulzer, «Wovon wir träumten» von Julie Otsuka und «Kanada» von Richard Ford.

Der Literaturclub diskutiert die wichtigen Bücher im September: Eine gute Schule, Richard Yates desparate Erfahrungen mit der eigenen Schulzeit. Alain Claude Sulzers Roman über ein abrupt beendetes Klavierkonzert. Junge Japanerinnen sind als picture brides auf der Reise in die USA bei Julie Otsuka. Ein Raubüberfall und die Flucht nach Kanada im neuen Roman von Richard Ford.

Beiträge

  • «Kanada» von Richard Ford

    Seine Manuskripte legt er ins Gefrierfach, damit sie auch einen Brand überstehen können. Richard Ford, Pulitzerpreisträger, Jahrgang 1944 aus Jackson, geht auf Nummer sicher. Nach einem gescheiterten Banküberfall sind Dell Parsons Eltern in Montana verhaftet worden. Er selbst wird über die Grenze nach Kanada verfrachtet. Bei Arthur Remlinger in Saskatchewan kann er unterkommen – einem Mann mit dunkler Vergangenheit. «Zuerst will ich von dem Raubüberfall erzählen, den unsere Eltern begangen haben. Dann von den Morden, die sich später ereigneten.» Das ist ein Anfang. Also los.

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  • «Aus den Fugen » von Alain Claude Sulzer

    Plötzlich ist es still: Mitten in einer Hammerklaviersonate bricht Marek Olsberg sein Spiel ab. „Das wars“, sagt er, schließt er den Klavierdeckel und verlässt den Saal. Es ist der Moment: Da ist Olsbergs Assistentin Astrid, bis zu jenem Moment stets zu Diensten des Meisters. Da ist der Leihkellner Lorenz, der nach dem Konzert servieren sollte und stattdessen zum Dieb wird. Da ist Olsbergs Agent, der sich mit seinem jungen Freund verstreitet. Da ist Esther, die ihre Freundin mit dem Olsberg-Konzert aufmuntern will und dabei merkt, dass ihre eigene Ehe alles andere als perfekt ist.

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  • «Wovon wir träumten» von Julie Otsuka

    «Würden sie uns gefallen? Würden wir sie lieben? Würden wir sie von den Fotos erkennen, wenn wir sie zum ersten Mal auf der Pier erblickten?» Fragen junger Japanerinnen in die Vereinigten Staaten zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Es sind sogenannte Picture Brides, die von Japan nach Kalifornien reisen, um dort japanische Einwanderer zu heiraten. Von ihrer neuen Heimat wissen sie nichts. Ihre künftigen Ehemänner kennen sie nur von den Werbefotos der Heiratsvermittler. Julie Otsuka, Jahrgang 1962, ist in Kalifornien aufgewachsen und hat an den Universitäten Yale und Columbia studiert.

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  • «Eine gute Schule» von Richard Yates

    Ein kleines Internat in Neuengland. William Grove kommt zu Beginn der 1940er Jahre als Stipendiat an die Dorset Academy. Ein abgerissener Aussenseiter zu Beginn, der den Mitschülern ausgeliefert ist. Eine kleine Welt für sich ist die Academy, verquere Verhältnisse, die sich in Yates Roman lakonisch entfalten. Am Schluss steht der Bankrott und ihre Umwandlung in ein Blindenheim für Veteranen des Weltkrieges. William Grove ist Richard Yates, der Roman und sein Personal autobiographisch. Er zeigt die Jugend des Schriftstellers,, bevor nach seinem Tod im November 1992 der Welterfolg beginnt.

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  • «Der fatale Glaube an das Glück... » von Rainer Moritz

    Exzellent aber erfolglos. Kettenraucher, Alkoholiker, zwei Mal geschieden, ohne enges Verhältnis zu seinen drei Töchtern, das ist Richard Yates. Einer, der in das Scheitern verliebt zu sein scheint. So erzählt Rainer Moritz, Autor, Literaturkritiker und Leiter des Hamburger Literaturhauses, dieses Leben und diese Bücher. Yates, eine Figur wie aus seinenBüchern. Schwer lungenkrank, verbringt er seine letzten Jahre als Writer in Residence an der University of Alabama in Tuscaloosa. Das letzte Bild: ein alter Mann mit abwechselnd Zigarette und Beatmungsgerät in der Hand.

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