Livia Anne Richard: Anna der Indianer

Immer muss Anna die Squaw spielen! Doch ihr Mut überzeugt die Jungs: Sie darf fortan Winnetou sein. Später merkt sie, dass sich das Indianersein mit dem Frausein, in das sie hineinwächst, nicht verträgt. Was tun? Von den Rollenspielen einer Eigenwilligen handelt dieses Buch.

Bildlegende: Hannes Zaugg-Graf

Bei der Beerdigung ihres «Lieblingsmenschen» Nico bricht Anna, als Einundfünfzigjährige und zur Bestürzung der Trauergemeinde, in schallendes Gelächter aus. Nun ja, sie war halt schon immer speziell. Als sie schliesslich, allein am Grab, doch noch weinen muss, erscheint ihr alter Jugendfreund Ander, diese Phantasiegestalt, die ihr durch die Kindheit geholfen hat.

Keine einfache Kindheit, damals in den 70ern. Denn Anna stürmt so naiv und offen auf die Welt los, dass sie ständig aneckt. Aber dank ihres Willens und ihres Muts bekommt sie nicht nur die Rolle des Indianerhäuptlings, sondern später auch ein Austauschjahr in den USA. Dort wird sie konfrontiert mit ihrem Körper und mit seltsamen Menschen, mit Sex und Liebe, mit Männern und Missbrauch. Und am Ende schliesst sich unerwartet eine Lücke.

Livia Anne Richard gibt im Gespräch Auskunft über die Coming-of-Age-Geschichte, die sie in «Anna der Indianer» erzählt, über Rollenmuster, gesellschaftliche Erwartungen und den eigenwilligen Weg, den ihre Protagonistin geht.

Buchhinweis:
Livia Anne Richard. Anna der Indianer. Roman. Cosmos Verlag, 2020.

Autor/in: Markus Gasser