Stav Jacobi: Das Gesicht des Schweizer Volleyballs

  • Sonntag, 4. Mai 2014, 15:03 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Sonntag, 4. Mai 2014, 15:03 Uhr, Radio SRF 1
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 6. Mai 2014, 21:03 Uhr, Radio SRF 1

Aufgewachsen in der UdSSR, Spitzenvolleyballer bei ZSKA Moskau, Militärdienst in der DDR und heute Präsident des stärksten Damen-Volleyballteams der Schweiz, Voléro Zürich. Stav Jacobi hat mit seinen 47 Jahren schon viel erlebt. Die Gründe dafür findet er in seiner Kindheit in der Sowjetunion.

Volleyballerinnen von Voléro Zürich
Bildlegende: Stav Jacobi inmitten seiner Volleyballerinnen von Voléro Zürich, die im 2014 wieder einmal sowohl die Schweizer Meisterschaft, wie auch den Cup gewonnen haben. EQ Images

1967 in einem Militärstädtchen 20 Kilometer von Moskau entfernt. Stav Jacobi wird geboren. Er wächst auf, zusammen mit einem älteren und einem jüngeren Bruder. Die Eltern arbeiten als Wissenschaftler in der Raketenindustrie. Sie lassen ihren Söhnen viele Freiheiten. Mit 7 Jahren etwa reist Stav Jacobi bereits alleine in die Grossstadt Moskau.

Gesellschaftlicher Zusammenhang und Eigenverantwortung
«Das sowjetische Gedankengut hat mich stark geprägt», sagt Stav Jacobi heute. «Ohne die Gesellschaft konnte der Mensch in der UdSSR kaum überleben. Wir haben alles geteilt, vom Salz bis zu den Streichhölzern.»

«Ich habe in der Kindheit gelernt, dass es einem immer schlechter oder aber auch besser gehen kann. Sowohl gegen unten, wie auch gegen oben geht es immer weiter. Man ist selber dafür verantwortlich, wie es einem geht», sagt Stav Jacobi schmunzelnd. Stav Jacobi schmunzelt viel, auch wenn er über schwierigere Zeiten seines Lebens spricht.

Zu klein und zu schwer für Volleyball
Eine eher schwierige Zeit war seine eigene Karriere im Spitzensport. Obwohl er kein Leichtgewicht ist, entscheidet er sich mit 12 Jahren für den Volleyballsport. Eher zu kräftig gebaut und eher zu klein, bringt er nicht die idealen Voraussetzungen mit. Trotzdem steckt er seine Ziele, typisch Jacobi, sehr hoch: Er will zu ZSKA Moskau, zu dieser Zeit der weltbeste Volleyballclub, 10 von 12 Spieler sind Olympiasieger.

Um seine fehlende Grösse zu kompensieren, muss Stav Jacobi im Volleyball härter trainieren als alle anderen. Er schafft es zwar zu ZSKA Moskau, doch mit 18 Jahren ist der Meniskus in einem Knie kaputt. Eine Knieoperation im damaligen Russland bedeutet ein 50%-iges Risiko, später an Krücken gehen zu müssen. Stav Jacobi geht dieses Risiko nicht ein und tritt freiwillig in das Militär ein.

Militär, Partei, Ausland
Die 730 Tage Militärdienst in der damaligen DDR sind die schwierigste Zeit in Stav Jacobis Leben. Doch sie ebnen ihm den Weg für den Eintritt in die Partei. Wieder zurück in Moskau legt Stav Jacobi eine steile Karriere hin, arbeitet hart und studiert nebenbei Jus. Über mehrere Arbeitsstationen wird er mit erst 22 Jahren zum Sekretär des neu gegründeten Juristenverbandes der UdSSR gewählt. Seine Arbeit besteht zu einem grossen Teil darin, juristische Kongresse zwischen der USA und der UdSSR zu organisieren. Diese beiden Grossmächte verstehen sich erst seit kurzem wieder.

Um die USA besser verstehen zu können, will Stav Jacobi in New York seinen Doktortitel machen. Die UdSSR ist damit einverstanden, doch kann sie dies nicht finanzieren. Um Englisch zu lernen und um Geld zu verdienen, kommt Stav Jacobi Anfang der 90er Jahre in die Schweiz nach Zürich. Hier fühlt er sich sofort wohl. Und als die UdSSR 1991 aufgelöst wird will er nicht mehr dahin zurück.

Die Schweiz, das neue Zuhause
Also bleibt Stav Jacobi in der Schweiz, zieht seine Unternehmen auf und findet im Volleyballclub Voléro Zürich ein sportliches Zuhause. «Voléro ist nicht mein Hobby, es ist ein Teil meines Lebens. Ich will nicht ohne Voléro leben, denn Purpur schlägt mein Herz. Für mich wird es nie ein zweites Voléro geben!»

Gespielte Musik

Moderation: Stefan Siegenthaler, Redaktion: Brigitte Wenger