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Auf der Grossbaustelle «Im Kran war ich für einmal die Grösste»

«Mona mittendrin» dieses Mal mit Helm. Drei Tage schwitzt und krampft Mona Vetsch auf der grössten Hochbaustelle der Schweiz, dem Milliardenprojekt «The Circle» beim Zürcher Flughafen. Mona über ihre Zeit unter lauter Männern und warum sie einmal richtig frustriert war.

Legende: Video Auf der Grossbaustelle (2/5) abspielen. Laufzeit 36:11 Minuten.
Aus Mona mittendrin vom 27.09.2018.

Warst du nudelfertig nach drei Tagen Baustelle?

Ziemlich. Dabei haben meine «Kollegen» recht Rücksicht genommen. «Wenn du keinen Muskelkater hast, hast du dich zu wenig angestrengt!», war die Devise von Baustellenchef Claudio. Ich spürte meine Arme und Beine. Aber wenn Pedro mir die Armierungseisen nicht abgenommen hätte, wäre ich am zweiten Tag wohl gar nicht mehr aufgestanden.

Du musstest selber eine Mauer bauen. Wie schwer ist dir das gefallen?

Wenn ich im Akkord bezahlt würde, wäre ich hungrig heim gegangen. Alle haben das Gefühl, mauern sei einfach, dabei ist es super schwierig! Nur schon den «Spatz» (also den Zement) sauber auf die Backsteine zu kriegen, hat mich fertiggemacht. Mein «Lehrmeister» Lars hat sich alle Mühe gegeben, aber bei der Schlusskontrolle nahm mich der Baustellenchef richtig auseinander. «Nicht gerade, nicht gleichmässig, zu wenig Mörtel» - es war zum Heulen. Ich musste die ganze Mauer wieder rückbauen! Falls also Baumängel auftauchen: ich war’s nicht. ;-)Du warst die einzige Frau auf der Baustelle. Wie gingen die Arbeiter mit dir um?

Ich wurde herzlich aufgenommen. Sie haben sich gefreut, mir ihre Arbeit zu zeigen. Vom Bauleiter bis zum Eisenleger sind alle stolz darauf, was sie da leisten. Zu Recht! Sie haben mir auch «Streiche» gespielt. Ein Kranführer hat mit dem Haken hinterrücks ein Muster in meinen mühsam flachgestrichenen Beton gezeichnet. Was den Umgang mit mir als Frau angeht: Einer meinte, ohne Fernsehkameras wären sicher noch ein paar andere Sprüche gefallen. Das ist okay, damit habe ich kein Problem.

«The Circle» ist eine gigantische Baustelle, es wird 1 Milliarde Franken investiert. Was entsteht hier eigentlich?

Eine Ergänzung zum Flughafen Zürich, mit Hotel, Einkaufsläden, Büro und Unispital. Es heisst, der Architekt Riken Yamamoto habe die Skizze auf eine Papierserviette gezeichnet. Und nun wird aus dieser Serviette mit 1000 Millionen ein reales Bauwerk.

Mona Vetsch mit Bauarbeiter der Flughafenbaustelle «The Circle» umringt von Bauarbeitern
Legende: Eingeschworene Truppe: Mona wurde auf der Baustelle von den Arbeitern wohlwollend aufgenommen SRF

Du warst auch unterwegs mit dem Chef auf Platz. Wie leitet man so eine riesige Baustelle?

Mit grossem Harmoniebedürfnis sicher nicht! ;-) Du musst alle Ansprüche unter einen Hut bringen. Und bist für alles verantwortlich. Auch für Claudio Zanella ist es die grösste Baustelle seines Lebens. Aber ihm fällt jedes Brett auf, das am falschen Ort liegt.

Für ihn und viele andere ist der Zeitdruck auf den Baustellen ein grosses Thema. Alles muss immer schneller gehen, und der Druck auf Firmen und Mitarbeiter steigt.

Welchen Job hättest du am liebsten auf der Baustelle?

Kranführerin. Da wäre ich auch mal die Grösste. Wobei: Die Verantwortung da oben ist riesig. Mit den Ladungen, kann man leicht jemanden erschlagen, wenn man nicht aufpasst. Und: Aufs WC gehen ist als Kranführer eine gröbere Übung...

Wenig Platz in luftiger Höhe: Kranführer Antonio Chilleli zusammen mit Mona in der Kranführerkabine
Legende: Wenig Platz in luftiger Höhe: Kranführer Antonio Chilleli zusammen mit Mona in der Kranführerkabine SRF

Hatte es viele Schweizer auf der Baustelle?

Vereinfacht gesagt: Je weiter oben in der Hierarchie, desto mehr. Die Knochenarbeit, wie Eisenlegen oder Schalen, machen meist Männer aus Portugal, Spanien, Italien oder Albanien. Das ist kein Klischee. Junge Schweizer für den Bau zu begeistern, sei nicht einfach, haben mir die Bauunternehmer gesagt. Dabei sind die Aufstiegschancen in diesen Jobs sehr gut.

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