Triadisches Ballett

  • Mittwoch, 15. Mai 2019, 20:00 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 15. Mai 2019, 20:00 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Samstag, 18. Mai 2019, 21:00 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Der Zeit voraus: Das Triadische Ballett von Oskar SchlemmerGrosser Rock steckt in einem Turm aus gestapelten Ringen, Taucher trägt einen Lackkreiskragen und Vorhang, Zylindermann steckt in einer Röhre aus Sperrholz.

Symbol auf Grün
Bildlegende: SRF / Sébastien Thibault

Das einzige abstrakte Tanzwerk der deutschen Geschichte gründet auf gemalten Tanzfiguren Oskar Schlemmers im Jahr 1912. Heute tourt die Junior Company des Bayerischen Staatsballetts München mit dem Triadischen Ballett um die Welt.

Der moderne Tanz ist vor allem in Frauenhand. Sophie Taeuber-Arp tanzt 1917 mit einer schamanischen Maske im Cabaret Voltaire in Zürich, die russisch-französische Designkünstlerin Sonia Delaunay bestreitet 1923 mit bemalten Pappen die Aufführung Die Tänzerin mit den Scheiben. Gleichzeitig feiert der Ausdruckstanz mit Mary Wigman und Gret Palucca die Befreiung des Körpers. 1912 bringt der Maler Oskar Schlemmer erstmals Tanzfiguren auf die Leinwand und gewinnt das Tänzerpaar Albert Burger und Elsa Hölzel der Königlichen Oper Stuttgart für die Umsetzung auf der Bühne. Der Tanz wird dabei der Form folgen, das Licht den Körper modellieren.

Schlemmer hinterlässt in seinem Skizzenbuch Tanz Figurinen 80 farbige Blätter mit Kostümstudien, Maskenentwürfen und Farbskalen. Daraus entwickelt er bis 1920 die 18 plastisch gestalteten Kostüme. Grosser Rock, Taucher, Zylinderman, Kugelrock, Kugelhände, Debussy bestücken als heiter-burleske Kunstfiguren die erste von drei Reihen. «Das Kostüm trägt den Tänzer», bemerkt Schlemmer und wird mit seiner «neuen Einheit von Verstand, Körper und Seele» die Bauhaus-Bühne massgeblich prägen.

Heute dauert der Reigen raumplastischer Figuren 70 Minuten. Die Kompagnie tritt in Kostümobjekten aus Sperrholz, Pappmaché, Draht und Kunststoff auf. Sie fühlen sich hart, schwer und sperrig an und sind trotzdem tanzbar. Seit 1977, der Rekonstruktion durch den Choreografen Gerhard Bohner, hat das Triadische Ballett eine eigene Begleitmusik. Anstelle des Potpurris aus Barock, Debussy und Moderne erklingt die Tonbandfassung von Hans-Joachim Hespos Musik.

Corinne Holtz unterhält sich mit dem Szenografen und Produktionsleiter Norbert Stück über die Wirkungsgeschichte des Triadischen Balletts.

Gespielte Musik

Redaktion: Corinne Holtz