Aus Bregenz: Berthold Goldschmidts Renaissance-Operndrama

Während auf der Seebühne der diesjährigen Bregenzer Festspiele mit «Carmen» eine der publikumswirksamsten Opern überhaupt zu sehen war, überraschte das Festspielhaus mit einem Opern-Statement: «Beatrice Cenci» von Berthold Goldschmidt.

Das Stück greift einen historischen Fall von Machtmissbrauch und Unrechtsjustiz auf, die Hinrichtung der 22jährigen Patriziertochter Beatrice Cenci im Jahre 1599 in Rom, die von ihrem Vater missbraucht worden war. Kritik an der korrupten Kirche, Anprangern einer Schreckensherrschaft: In Bregenz hat der Regisseur Johannes Erath starke Bilder für die Themen des Stücks gefunden.
«Es geht darum, in einer Welt, die korrupt zu sein scheint, Werte wie Menschenwürde, Zivilcourage und Respekt hochzuhalten, um unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren», sagt der Regisseur.
Die Erfahrung einer Schreckensherrschaft hat auch der Komponist Berthold Goldschmidt gemacht, der 1935 vor den Nazis nach England emigrierte. Seine Oper von 1949 erlebte ihre erste Aufführung erst 1988, nicht zuletzt weil Goldschmidts tonale Musiksprache nicht dem Ideal der Avantgarde der 1950er Jahre entsprach.

Berthold Goldschmidt: Beatrice Cenci. Oper in 3 Akten, Libretto von Martin Esslin nach «The Cenci» von Percy Bysshe Shelley

Wiener Symphoniker
?Prager Philharmonischer Chor
Johannes Debus, Leitung
Christoph Pohl, Bariton (Graf Francesco Cenci)
Dshamilja Kaiser, Lucrezia / contralto
Gal James, Beatrice / soprano
Christina Bock, Bernardo / mezzo-soprano
Per Bach Nissen, Cardinal Camillo / bass
Michael Laurenz, Orsino / tenor
Wolfgang Stefan Schwaiger, Marzio / baritone
Sébastien Soulès, Olimpio /bass
Peter Marsh, A Judge / tenor
Lukas Hynek-Krämer, Colonna / baritone
Jan Bochnak, Ein Offizier / tenor

Aufführung vom 18. Juli 2018, Festspielhaus, Bregenz (Bregenzer Festspiele)

Redaktion: Gabriela Kägi