«Der Her Ehrli» - Baselbieter Idyll von Jonas Breitenstein

Der Baselbieter Gotthelf», so wurde Jonas Breitenstein auch genannt. Wie Jeremias Gotthelf war Jonas Breitenstein ein schreibender Pfarrer, der seine Schäfchen literarisch ins Gebet nahm, indem er ihnen einen Spiegel ihres Wesens vorhielt.

Auf Leinwand gemaltes Porträt von Jonas Breitenstein.
Bildlegende: Jonas Breitenstein, Oelgemälde von Ernst Breitenstein, 1885 zvg

Die literarische Flughöhe eines Johann Peter Hebel Hebel oder Jeremias Gotthelf erreiche Breitenstein zwar nicht, relativiert Stefan Hess, Mitherausgeber von Breitensteins Werk. Aber «Dr Her Ehrli», 1863 veröffentlicht, sei das erste literarische Werk in Baselbieter Mundart, Breitenstein sei mithin ein Pionier der Mundartliteratur überhaupt.

Eine rührende Liebesgeschichte

Erzählt wird die rührende Liebesgeschichte zwischen dem Landburschen Friedli Ehrli, Angestellter in einem Tuchwarenhandelsgeschäft in Basel, und dem Fräulein Mineli Guldenstern aus dem Basler «Daig», der besseren Gesellschaft also. Eine Mesalliance, natürlich, die aber am Ende allseits legitimiert und akzeptiert ist, dank der Reinheit der beteiligten Herzen und ein bisschen auch dank göttlicher Fügung.

Alltagsgeschichte in der Mundart des 19. Jahrhunderts

In diese Romanze ist viel Zeitgeschichte eingeflossen: Wie sich der damals junge Kanton Baselland politisch entwickelt, wie die Posamenter aus den Dörfern nach wie vor von den Seidenbandherren in der Stadt abhängig sind, wie man wohnt und reist und arbeitet um 1850 herum. Aus dieser Zeit stammt natürlich auch die Mundart, in welcher Breitenstein erzählt: Voll von wunderbar altertümlichen Wörtern, Wendungen und Satzkonstruktionen. Eine Fundgrube für Sprachliebhaber!

Buchtipp

  • Jonas Breitenstein: Geschichten und Dichtungen. Band 2: «Der Her Ehrli» und andere Gedichte und Geschichten. Verlag Ortsmuseum Binningen, Dichter- und Stadtmuseum Liestal. 2014.

Moderation: Christian Klemm, Redaktion: Markus Gasser